Samstag, 19. April 2014

Schnelllebige, kurzlebige, langlebige(?) Mode

Das Modekarussell dreht sich immer schneller



Die Zeiten, als es pro Jahr zwei Kollektionen gab, die Frühjahr/Sommer- und die Herbst/Winter-Kollektion, sind schon lange vorbei. Die von jungen Frauen stark frequentierten Bekleidungsketten und Modeversandhändler ergänzen ihr Sortiment alle paar Wochen. Regelmäßig und in immer kürzeren Zeitabständen erhalten wir Mails, die uns einen weiteren Einkauf, eine neue Bestellung schmackhaft machen sollen. Obwohl der Markt im günstigen Preissegment stark umkämpft ist, etablieren sich weitere Unternehmen. H&M, der einst mit modischer und preiswerter Bekleidung und Erweiterung des Sortiments in kurzen Zeitintervallen den Markt aufmischte, hat schon längst Konkurrenz erhalten. Primark ist im Kommen und auch der gute, alte C&A findet wieder Anschluss.

Anfang des Jahres stellte eine Bloggerin z. B. hübsche Teile der Kollektion Cut for Evans vor. Es waren Teile dabei, die mich durchaus interessierten und die ich mir für mich vorstellen konnte. Als ich soweit war, eine Bestellung aufzugeben, stellte ich fest, das die Teile bereits im Mid Season Sale waren. So schnell ging das! (Oder so unentschlossen und langsam bin ich!)

Ein andermal las ich in einem Blog, dass sich die Bloggerin von einem Outfit, das sie erst wenige Monate zuvor vorgestellt hatte, bereits wieder getrennt hatte. So schnell geht das?

Was passiert mit den Teilen? Werden sie verschenkt? Kommen sie in den Kleidersack / in die „Kleiderspende“? Werden sie bei Kleiderkreisel angeboten? Lohnt sich das angesichts von mehreren Tausend Teilen, die auf dieser Plattform schlummern?
In einem Blog las ich, welche Plattformen geeignet sind, wenn in einem übervollen Kleiderschrank wieder Platz geschaffen werden soll. Andere bieten ihr Zuviel an Kleidung auf eigener Website zum Kauf an.
Angesichts der manchmal sehr günstigen Preise bei Primark, H&M oder den britischen Versendern und der manchmal recht dürftigen Qualität in Material oder Verarbeitung frage ich mich, ob es sich hierbei um Wegwerfmode handelt, um Mode, die die nächste Saison nicht überleben muss und es auch nicht soll.

Die ein oder andere Bloggerin stellt ausschließlich neue Teile vor, nichts wiederholt sich. Sind das Leihgaben? Ist das alles selbst gekauft und bezahlt? Bleibt dann am Monatsende noch etwas übrig für die wirklich wichtigen (materiellen) Dinge des Lebens?
Ich werde dabei manchmal ganz nachdenklich. Heizen wir mit unseren Blogs das sich immer schneller drehende Modekonsumkarussell noch mit an?

Erfrischend finde ich die Blogs, in denen Teile aus dem eigenen Bestand immer wieder anders kombiniert werden, manchmal mit neuen Teilen, ein andermal mit vorhandenen Teilen. Das entspricht auch meinem Vorgehen.
Vielleicht bin ich aber auch ein Auslaufmodell, weil ich völlig old fashioned bin und mir Teile aussuche, die ich über viele Jahre tragen kann und auch tragen will? Ich freue mich darüber, dass ich einige Teile immer noch gern trage, obwohl ich sie schon so lange in meinem Bestand habe.

 

Beispiel: Taschen


Gelegentlich (im Schnitt alle paar Jahre) kaufe ich mir eine neue Tasche. Manchmal habe ich sie mir schon lange gewünscht, manchmal „brauche“ ich eine in einer bestimmten Farbe, um meine Garderobe abzurunden.
Taschen halten sich bei mir sehr lang.
In meinem Blog habe ich schon Taschen aus den 30er, 50er, 60er ... Jahren vorgestellt. Es sind Erbstücke, die ich immer wieder gern benutze.

Wenn ich mir die aktuellen Taschen ansehe, stelle ich fest,
  • dass vieles in ähnlicher Form schon lang auf dem Markt ist und
  • dass einige Formen eine Renaissance erleben – z. B. Clutches, sie hießen früher übrigens „Unterarmtaschen“, gab es bereits in den 30er und 50er und sogar in den 70er Jahren
Taschen können durchaus langlebig sein, für mich müssen sie sogar langlebig sein – das erwarte ich.



Langlebige Taschen: Diese Taschen unterscheiden sich in der Größe, sind in der Form jedoch sehr ähnlich. Zwischen der mittleren, blauen Tasche (gekauft 2014) und den beiden anderen Taschen liegen jedoch gut 10 Jahre. 


Meine typischen Bürotaschen: Die rechte Tasche gibt es in identischer Form aktuell immer noch zu kaufen. Diese beiden Taschen sind bei mir ca. 12 Jahre (rechts) und ca. 15 Jahre (links) im Einsatz.


Beuteltasche: Ich glaube, dass man sie auch heute noch tragen könnte.
Es war meine "Notfalltasche" im Büro. Sie enthielt: div. Hygieneartikel (Ihr wisst schon ...), Fön, Bürste und Kamm, um auch eine regennasse Frisur wieder bürotauglich zu machen, Kosmetikartikel (Makeup, Puder, Rouge, Wimperntusche, Lippenstift), um ein Makeup aufzufrischen oder neu aufzulegen, Kopfschmerztabletten und Halspastillen, Nagelfeile für Notfälle und Kleinreparaturen (Schraubenzieherersatz!), Sicherheitsnadeln, Ersatzstrumpfhose in neutraler Farbe, kleines Nähzeug. Diese Tasche hatte immer einen festen Platz in einem Büroschrank und hat mehrere Büroumzüge mitgemacht. Sie ist weit mehr als 20 Jahre alt.
Ist diese Form langlebig? Ich weiß es nicht.


Ein "Klassiker" - einer Chanel-Tasche nachempfunden. Ich habe sie seit Anfang des Jahres, habe sie mir aber schon lange gewünscht und werde sie bestimmt sehr oft tragen, weil sie zu vielem passt. Bestimmt langlebig!




Kurzlebig???
Meine neueste Tasche: für mich ist diese Form neu. In einem der beiden Henkel befindet sich ein Knoten - wohl, damit ich nichts vergesse? Die Henkel überkreuzen sich. Man kann die Tasche auch als Rucksäckchen benutzen. (Wer macht das schon?)
Bin gespannt, ob diese Taschenform eine Eintagsfliege ist?





Kommentare:

  1. Weißt Du,welche mir am Besten gefällt? Die Büronotfalltasche! Ich finde, die ist absolut up to date, erinnert mich in ihrer Knautschigkeit ein bisschen an diverse Liebeskind- Taschen. Um den Chanel-Nachbau 'schleiche' ich auch seit einiger Zeit rum, ich hatte ja die Hoffnung an eine gebrauchte 2.55 zu kommen, aber die sind selbst gebraucht und in teils erbarmungswürdigen Zustand noch schweineteuer. Dekadent, so viel Geld für eine Tasche auszugeben. Ist schließlich nur ne Tasche. *selbstbeschwör* ;)
    Frohe Ostern und alles Liebe
    Elke

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    1. Hallo Elke,
      Deine Wahl der Notfalltasche hat mich überrascht. Ob sie noch aktuell ist, wusste ich nicht, aber ich habe vermutet, dass sie noch tragbar ist. Was die 2.55 anbelangt, die ist auch mein Favorit. Ich habe lange überlegt, ob ich sie mir leisten will. Kostet sie neu nicht 2,5 Tsd? Oder bin ich falsch informiert. Solch ein Preis ist für mein Empfinden jenseits von gut und böse. Ich überlege mir, was die Kosten für hochwertiges Material sind und was ein gut ausgebildeter, erfahrener Täschner verdient. Das wäre mir durchaus etwas Wert, aber auf jeden Fall keinen Tausender. Ein "echtes" Plagiat kommt für mich aber auch nicht infrage. Meine Tasche betrachte ich als "von Chanel inspiriert".
      Liebe Grüße
      Neumon

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    2. Guten Morgen Neumon,
      die größte 2.55 ist glaub ich teurer, ausserdem gibt es verschiedene Lederarten. Und Plagiate mit gefälschtem CC-Zeichen will ich auch nicht, dann eben lieber dich nur die von Chanel inspirierte, die ja auch von nicht schlechter Qualität sein soll. Ein kleiner Traum bleibt es schon, wobei mich komischerweise Hermes und Vuitton und Konsorten völlig kalt lassen. Aber schließlich hat Coco Chanel auch mal als Hutmacherin angefangen, ich hab viel über sie gelesen, Filme gesehen, kürzlich war ich in der 'Mythos Chanel 'Ausstellung in Hamburg... jedes Detail an der 2.55 geht auf biographische Ereignisse zurück. Sagt man. Inwieweit das inzwischen auch Mythos oder schlicht Marketing ist, mag ich nicht beurteilen.
      Liebe Grüße
      Elke

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