Mittwoch, 30. Juli 2014

Ahoy Sailor!

Since about 20 years it is the first time that I knitted a sweater for me. In the mean time I knitted only for my children. But although I have some experience in knitting the making of the sailor collar was new for me and I had to find out how to do it. 
You see me in two different skirts, a long one and a very long one. I'm interested in your opinion which one is better for the look. Please vote.

And here you find all the other sailors.

Über antizyklisches, experimentelles Stricken

Aus vorangegangenen Strickepidemien, die alle paar Jahrzehnte über die weibliche Bevölkerung hereinbrechen, sind bei mir Garnpakete und Wollreste übrig geblieben, die ich nun so nach und nach abbauen will. Wenn nicht jetzt, wann dann?
So kam es, dass ich jetzt im Sommer aus meinem Garnbestand einen warmen Pulli für Herbst und Winter gestrickt habe - antizyklisch gewissenmaßen.

- looking back over my shoulder -

Ich hatte 500 g "Nebraska" von Schewe (Wolle / Synthetik-Gemisch) für Nadelstärke 3,5 - 4,5 zur Verfügung. 
Was wollte ich stricken? Einen Matrosenpullover im Stil der 30er / 40er Jahre, also kurz, und mit dem typischen Matrosenkragen.
Etwas Sorge hatte ich, ob das Garn reichen würde. Lt. Herstellerangabe werden bei Gr. 40 ca. 600 g benötigt und ich hatte nur 500 g und Gr. 46. Zur Not wäre mir aber bestimmt irgend eine ringelige Lösung eingefallen. Tatsächlich sind noch 140 g übrig. Ich habe übrigens Nadelstärke 3,5 verwendet.



Mit dem Ergebnis bin ich zufrieden. (Allerdings habe ich mich sofort nach dem Shooting umgezogen ;-))

Ich mag den Look, der mich an die 30er /40er erinnert. Und ich finde, dass kurze Pullover auch bei etwas fülligeren Figuren recht gut aussehen.






Hier im langen 12-Bahnen Leinenrock. Welche Rocklänge ist nun besser? Die längere oder die kürzere?

Und das war der Grund für mein experimentelles Stricken:
  • Einen Matrosenkragen habe ich bisher noch nicht gestrickt. Mir war nicht ganz klar, wie ich den Kragen über die Schulter bringe, ohne dass die Ecken am Ende zipfeln. Zwar habe ich im Internet einige Hinweise gefunden, aber keine konkrete Beschreibung. Eine ältere Rebecca, in der solch ein Matrosenkragen wohl beschrieben ist, wollte ich mir nicht bestellen, also war klar, dass ich experimentieren musste.

  • Auch am Muster habe ich herumprobiert:
    Geplant (und im Vorderteil verstrickt) war zunächst dieses Muster:
    Rippenmuster bis zum Armausschnitt, in der Passe dann das Kreuzmuster. Es zeigte sich aber, dass mir das Muster für die doch recht kräftige Wolle zu voluminös war. Also habe ich alles wieder aufgezogen und mich dann für glatt rechts entschieden.
  • Experimentiert habe ich auch mit der weißen Verzierung. Dazu gab es einige Versuche, die ich aber wieder verworfen habe.




Auf meine Kragenlösung möchte ich genauer eingehen:

Wenn man den Ausschnittschlitz gerade hoch strickt, entsteht beim Umklappen zwischen Schulterabschluss und letzter Ausschnittreihe ein Dreieck (rechts zu erkennen), das ich mit verkürzten Reihen geschlossen habe (links zu sehen). Die Strecke der Maschen ist damit länger geworden. Die Anzahl der Maschen muss angeglichen werden, also habe ich nach jeder 2. Masche eine weitere Masche aus dem Querdraht gestrickt.



Nun wird das Rückenteil angenäht. Am Rückenteil hatte ich die Maschen am Halsabschluss stillgelegt, nicht abgekettet. 
Die Kragenmaschen einer Seite des Vorderteils kommen jetzt auf eine Nadel, dann die Maschen vom Halsabschluss des Rückenteils, dann die Maschen der anderen Seite des Vorderteils. Jetzt wird die Rückseite des Kragens gestrickt.

Hat jemand einen anderen Vorschlag für den Kragen?


Beim Ausschnitt des Vorderteils habe ich nur noch den Teil glatt rechts gestrickt, der bei einem V-Ausschnitt übrig bleiben würde. Was bei einem V-Ausschnitt entfällt, habe ich kraus rechts gestrickt, das ist der Teil, der später umgeklappt wird.

Man erkennt es vielleicht nicht deutlich, aber der Pullover ist auf Figur gestrickt, d. h. zur Taille hin abgenommen und dann allmählich auf OW zugenommen. 


Anschließend musste noch zusammengenäht und verziert werden.
Zur Verzierung habe ich den 4-fach Faden einfach durchgezogen und für die Schleife eine Kordel gedreht.


Fertig!

Was ich gemacht und was ich nicht gemacht habe:

  • Eine Maschenprobe:
    Auf eine Maschenprobe verzichte ich nur, wenn ich das gleiche Garn ein weiteres Mal verstricke. Verwende ich ein Garn zum ersten Mal - oder nach langer Zeit wieder - mache ich auf jeden Fall eine Maschenprobe.
  • Ich habe keinen Schnitt in Originalgröße angefertigt, sondern nur einen kleinen Schemaschnitt mit meinen genauen Maßen aufgezeichnet. Schnitte in Originalgrößen mache ich bei sehr ausgefallenen Formen.
  • Ich habe die Teile vor dem Zusammennähen nicht gespannt. Das mache ich nur bei Mustern, die stark zusammenschnurren. 
  • Ich habe die Teile bzw. den fertigen Pullover nicht gedämpft. Das schöne glatte Maschenbild kommt nach der ersten Wäsche ganz von selbst.
  • Ich habe eine Musterprobe gestrickt.
    (Hat aber nichts gebracht, weil ich mich trotzdem umentschieden und aufgezogen habe.)

    Ob andere erfahrene Strickerinnen jetzt den Kopf schütteln???

Lessons learned

Man wird so alt wie eine Kuh und lernt immer noch dazu!
Meine Erkenntnis aus diesem Strickprojekt war: bei Pullis, die auf Form gestrickt werden, genügt es, die Maschenzahl bis zum oder kurz unter den Brustpunkt zu erhöhen. Bis dahin soll die erforderliche Maschenzahl erreicht sein. Für die Passform ist es kein Zugewinn, wenn man die Maschenzahl noch bis kurz unter den Armausschnitt erhöht.


RUMS

Heute versuche ich, zum ersten Mal bei RUMS teilzunehmen. Hier stellen Bloggerinnen vor, was sie für sich selbst gemacht haben.

Dienstag, 15. Juli 2014

Ready for a boat trip

Ready for a boat trip! Since many years I have a boat license. The only thing I miss is the boat.

And here you find all the other sailors.

Ich experimentiere noch ein bisschen mit meinem Marinelook, denn ich will diesen weißen Rock endlich zum Einsatz bringen. Hier ein weiterer Versuch, diesmal (fast) ohne Chi-Chi:



In diesem Outfit, also mit Turnschuhen, kann ich tatsächlich aufs Boot.

Nun, ich selbst besitze kein Boot, wohl aber den Sportbootführerschein sowie den Segelschein, schon seit vielen, vielen Jahren.

Bis auf das Tüchlein (aus den 70ern) stammen alle anderen Teile aus diesem Jahr. Ich hatte sie bereits vorgestellt.



Freitag, 4. Juli 2014

Konservativ im Marinelook

Solide und gediegen

Nach der Farbenpracht meines letzten Beitrags zeige ich heute einen erz-konservativen Look. Langweilig?
Manchmal meine ich, meinem Umfeld solch einen "angemessen" zurückhaltenden Look schuldig zu sein.












Passt perfekt zur sonntäglichen Ausfahrt mit dem Boot - dann aber natürlich mit blauen, roten oder weißen Turnschuhen;-))
Jacke und Shirt von Gerry Weber aus dem Kaufhof, Rock von Peter Hahn. Alle Teile habe ich mir in diesem Jahr zugelegt, nur das Seidentüchlein stammt aus den 50ern.

Schrieb ich in meinem letzten Beitrag nicht, dass ich den Verlockungen des SALE bisher widerstehen konnte?
Ich muss völlig verdrängt haben, dass ich vor etwa 2 Wochen, es war gerade mal wieder Strickjäckchenwetter, wohl doch nicht widerstanden habe.
Gelegentlich halte ich Ausschau nach Shirts, um ein älteres Hemdchen zu ersetzen, das vielleicht schon etwas verwaschen ist und die Form eingebüßt hat. So fand ich ein neues Shirt und entdeckte auch ein farblich dazu passendes Jäckchen. Den Zuschlag bekam das Jäckchen wegen des eingestrickten Ankermotivs.


Schön in Form gestrickt: der V-Ausschnitt und die Armkugel.

Es fiel mir in letzter Zeit auf, dass Motive auf Strickjäckchen oft nur aufgedruckt sind - Punkte z. B oder Schwalben. Das ein oder andere Strick- oder Jerseyteil sieht auf den ersten Blick ganz hübsch aus, betrachte ich es aber näher, ist das Grundmaterial weiß/hell, alternativ auch schwarz, und die Punkte entstehen durch die aufgedruckte Farbe des Drumherum. Ich betrachte das als mindere Qualität, egal was das Teil kostet. Teile, die ich im Internet ausgewählt hatte, habe ich deshalb schon zurück geschickt.

Sonntag, 18. Mai 2014

Obst

... und noch eine Hose

Weil meine neue Hose von C&A so gut passt (hier vorgestellt), konnte ich nicht widerstehen und habe mir noch eine zugelegt. Diesmal hat sie einen kleinen Umschlag und muss m. E. nicht gekürzt werden. Oder?
Bei der Farbe war ich mir nicht sicher, ob sie marineblau oder schwarz ist. Aber nach den Fotos zu urteilen muss die Farbe der Hose wohl marine sein.  Jedenfalls habe ich auch alle anderen Teile auf marine abgestimmt.
Dazu gab es Obst, das auf einer Seidenbluse serviert wird. Und um diese wiederum in Form zu bringen, habe ich einen Ledergürtel verwendet, der geknotet werden muss.

Fruit ... and new trousers

I don't wear trousers very often, so I was pleased to find these that fit quiet well.
I can put my hands in the pockets which makes me feel like a lout. The trousers I combined with a silk shirt which looks like a fruit basket, and a belt which has to be knotted. 
Do I have to mention that belt and shirt are vintage?


My hairstyle was inspired by Julia Timoshenko, but my braids aren't as thick as hers.



Zu meiner Frisur hat mich Julia Timoschenko inspiriert - bei mir sind es allerdings nur dünne Zöpfchen.

Die Bluse hat seitlich Schlitzchen, sodass ich beide Hände in die Hosentaschen stecken kann.


Hier zeige ich Bluse und Gürtel noch einmal im Detail.
Muss ich erwähnen, dass Bluse und Gürtel Vintage sind?

Ich finde übrigens, dass ich die Bluse auch gut zu diesem Bahnenrock tragen kann.







Samstag, 10. Mai 2014

Sew along: blau machen - das erste Teil ist fertig

Nachtrag vom  30.05.2014

Misserfolg

Nun ist leider nur ein Teil fertig geworden, das ich bereits hier, jetzt unter Erfolgsbericht, vorgestellt habe.
Ein zweites Teil ging völlig daneben und ich versuche derzeit, zu retten, was noch zu retten ist.

Aber ich will Euch durchaus von meinem Misserfolg berichten.

Bei meinem zweiten Versuch handelte sich um diesen Stoff und den abgebildeten Schnitt aus Burda 2014/05:

Meine bisherigen Erfahrungen mit dieser Stoffart, locker gewebter Viscose-Krepp, waren nicht besonders von Erfolg gekrönt. Ich stellte fest, dass der Stoff leicht verrutscht und es mir kaum gelingt, die Schnittteile fadengerade aufeinander zu legen. Selbst wenn ich viele Stecknadeln verwende, verzieht sich der Stoff beim Zuschnitt. Deshalb hatte ich mir einen Schnitt ausgesucht mit wenigen Nähten und Abnähern.
Beim Vorwaschen stellte ich fest, dass der Stoff wegen des Blumenmusters quer verarbeitet werden muss. Alle 60 cm tauchte ein großer Strauß auf. Wegen des Verrutschens und Verziehens habe ich den Schnitt "durchgeschlagen", also die Konturen der Schnittteile mit Heftfadenschlaufen markiert. Das war schon viel Arbeit. Nach dem Zuschnitt stellte ich schon fest, dass die Armlöcher sich völlig verziehen und aus der Form geraten. Trotzdem habe ich weitergemacht, Belag an die Ausschnittkante genäht, Abnäher genäht. Die erste geheftete Anprobe zeigte schon, dass sich die Abnäher verziehen und nicht auf gleicher Höhe sitzen. Die Armlöcher hatten, obwohl gemeinsam zugeschnitten, unterschiedliche Größe und waren so aus der Form, dass sich die Ärmelchen nicht hätten einsetzen lassen.
Nach langem hin und her habe ich gestern beschlossen, aus den beiden Rockteilen für den leicht ausgestellten weiten Rock wieder fadengerade Stücke herzustellen und aus diesen vielleicht noch verwertbaren Teilen einen Rock ähnlich dem unten dargestellten Muster zu erstellen.
Schade, so habe ich viel Stoff zerschnippelt und mit den Resten ist nicht mehr viel anzufangen.

Fest steht jedenfalls, dass ich mit dieser Stoffart total auf Kriegsfuß stehe. Dumm ist nur, dass ich noch einen ähnlichen Stoff  (3 m) in dieser Art liegen habe.
Nach meiner jetztigen Einschätzung eignet sich diese Stoffart am ehesten für einen Sari, der nur gewickelt wird. :-((
Eine andere - theoretsche - Möglichkeit wäre wohl noch, alle Teile mit Vlieseline zu unterlegen, dann ließe sich dieser Stoff wohl normal verarbeiten.

So sieht das große Motiv - Rapport - aus, das alle 60 cm auftaucht.


Und nun der ältere Erfolgsbericht:

Zum Anfang eine kleine Übung zur Resteverwertung

Von diesem Stoff war ein Rest von nicht ganz 1 Meter übrig. Da ich das Material etwas "schwierig" zu verarbeiten finde, der Stoff verrutscht beim Zuschneiden und beim Versäubern schnurrt die Naht zusammen, war es für mich eine Übung zum Umgang mit diesem Stoff. Ich habe auch noch einen Blümchenstoff (3 m), aus dem ich ein Kleid nähen will, der verhält sich nämlich genauso.

 

 

Ergebnis: ein Rock in Wickeloptik

Mit dem Ergebnis, einem Rock in Wickeloptik, bin ich zufrieden:



 
Auf diesem Foto sind die Farben recht gut getroffen: Der Stoff ist blaugrau mit schilfgrün, ecru und beige. Dazu passt der blaugraue Pulli und der Silberschmuck mit Iolith-Steinen.

Der Schnitt ist denkbar einfach - ich habe nämlich keinen Schnitt verwendet.
Die Teile:
1. Rockteil in gewünschter Rocklänge + Saumzugabe + Zugabe zum Ansatz des Bunds in der Breite der Stoffbahn (ca. 140 cm)
2. Bund in Hüftweite

Das Rockteil wird zum Schlauch geschlossen. Es hat also nur eine Naht, die in die hintere Mitte kommt.
Die fertige Weite des Rocks entspricht der Hüftweite. Die überschüssige Weite, also die Differenz zwischen Bahnenbreite und Hüftweite, wird von oben her bis auf Hüfthöhe gesteppt und seitlich als Falte eingeklappt.
Anschließend wird der Bund angenäht, in den dann ein Gummiband (3 cm breit) eingezogen wird.

Fertig! Passt!












 

 

Donnerstag, 20. Februar 2014

Warum Christine und ich keine Freunde sind





Kolumne


Warum Christine und ich keine Freunde sind


Um es gleich vorweg zu nehmen, es geht hier nicht um Zickenkrieg, sondern um eine ganz persönliche Abrechnung mit Frauenzeitschriften.
Da ich niemandem zu nahe treten möchte, der ein Fan bestimmter Frauenzeitschriften ist, nehme ich mir die Freiheit, die Zeitschrift, zu der ich ein „besonderes Verhältnis“ habe, als „Christine“ zu bezeichnen. (Der Name ist also von der Redaktion geändert.)

Von Stars und Sternchen zur Welt der Mode


Als ich Christine kennenlernte, war ich gerade dem Bravo-Alter entwachsen (selten gekauft, aber regelmäßig mitgelesen). Ich muss so etwa 14 gewesen sein.
Christine zeigte damals tolle Mode, fantastisch präsentiert und hinreißend gestylt.
Es war Mitte und zweite Hälfte der 60er Jahre. F. C. Gundlach fotografierte für Christine. Seine Modefotografie war bahnbrechend und fand später Eingang in Bildbände, Ausstellungen und Museen. Später frisierte die junge Marlies Möller für Christine, manchmal war es auch Udo Walz. Und Christine zeigte nicht nur Mode, Christine machte Mode – Christine war Mode!

Christine war Mode


Als Hot Pants aufkamen, war Christine die erste Zeitschrift, in der eine Strickanleitung für diese Shorts zu finden war. Schon zwei oder drei Wochen nach der Veröffentlichung erschien eine Klassenkameradin mit hinreißenden gestrickten Hot pants samt passendem Rollkragenpullover und Gürtel auf Hüfthöhe. Toll! Der modeinteressierte Teil unserer Klasse war neidisch – auch, weil besagte Mitschülerin eine Oma hatte, die ihr dieses Outfit in Perfektion erstellt hatte. Meine Sitznachbarin bekam in kürzester Zeit von Mutter und Tante nach Christines Strickmuster einen Glockenrock mit passendem Wickelpulli in der Farbe apricot gestrickt. Ebenfalls ein Outfit mit hohem Neidfaktor. (Wie ich später erfuhr, trug sie dieses Outfit im Wechsel mit ihrer Cousine;-))
Nach Christines Anleitung häkelte ich mir ein großes, schwarzes Dreiecktuch mit langen Fransen, das zu Midi- oder Maxirock in Tweed oder Fischgrätmuster sowie schwarzem Schlapphut getragen wurde. F. C. Gundlach hatte die Vorlage vor einer Wand aus Stangeneis abgelichtet. Auf dem Foto sah es aus, als befinde sich das Model im ewigen Eis.

Die Krönung der Hochphase der Strick- und Häkelwelle waren farbenprächtige ausgestellte Kleider, die aus bunt gemusterten kleinen Quadraten und Dreiecken zusammengesetzt waren. Meine beste Freundin hatte sich solch ein Kleid in wochenlanger Arbeit erstellt. Wie von der Christine-Redaktion berichtet wurde, gingen noch Jahre später Fotos von Frauen ein, die sich diesen Kleidertraum nach und nach erfüllt hatten.

Eine Zeitlang war jeder Christine-Ausgabe ein Schnittmusterbogen mit genau einem Modell beigefügt. Z. B. erschien das Schnittmuster für einem halbdiagonal zu verarbeitenden 4-Bahnen-Rock. Er saß fantastisch – ganz ohne Abnäher - und war die Basis für meine Kollektion an Midiröcken.
Einmal gab es einen Schnitt für ein kleines Kostümchen, einen Glockenrock zum Wickeloberteil mit Schößchen, wahlweise mit Langarm oder Puffärmel. Mehrere Mitschülerinnen trugen dieses Kostümchen zu den Abiturprüfungen. Ich hatte es mir in dunkelblau mit langem Arm genäht und in hellblau-weiß mit kurzem Arm. Man war darin perfekt angezogen und konnte sich bewundernder Blicke sicher sein.

Christine gibt Ratschläge


Neben dem umfangreichen Modeteil gab es in Christine natürlich auch noch Kosmetik, Psycho-Tests, Kochrezepte ... und Ratschläge.
Ratschläge – ja, Christine erklärte ihren Leserinnen, was ging und was nicht.
Eine kleine, stets hinter dem großen Modeteil erscheinende Rubrik hieß „Das waren doch nicht etwa Sie?!“
Klein, nur mit schwarz-weiß Fotos, aber stets mit erhobenem Zeigefinger, wurde Problembewusstsein geweckt.
Da zeigte ein Foto z. B. eine mit Hosen bekleidete Frau, bei der sich an der Kehrseite der Rand der Unterhose auf den Bäckchen deutlich abdrückte. Oder der BH kniff ein und zeichnete sich hinten unter Pulli oder Bluse ab oder ein viel zu kleiner BH zeigte vorn vier statt zwei Zapfstellen ...
Eine Haarfarbe, die heute als ombré bezeichnet wird, die war völlig indiskutabel! Eine ausgewachsene Blondierung im rückenlangem Haar konnte sich nur das Hippie-Mädchen Michelle Phillips von den Mamas and Papas erlauben.
Erschiene diese Rubrik heute noch, dann wahrscheinlich unter der Neusprech-Überschrift: „Das geht ja gaaanich!“.

Christine weckt Problembewusstsein


Ja, Christine war ganz groß darin, Probleme aufzuzeigen und Problembewusstsein zu wecken. Mischhaut oder gar fettiges Haar? - große Probleme, die es zu bekämpfen galt. Gelbstich in blondem Haar? Großes Problem! Weg damit – am besten bekämpfen mit Silberfestiger. Schlupflider? Riesenproblem ...

Der Verlust meiner Vollkommenheit


Bis ich anfing, regelmäßig Christine zu lesen, war ich ein vollkommenes Geschöpf. Gesund, alle Gliedmaßen vorhanden und gerade, Zähne lückenlos, volle Seh- und Hörfähigkeit, keine Akne, nur gelegentlich ein paar Pickelchen, glänzende blonde Haare, ein gescheites Köpfchen, mit 165 cm nicht zu klein und nicht zu groß, sondern genau richtig und mit einem Gewicht von ca. 60 kg schlank aber nicht mager. So sah ich mich, so sah mich meine Familie – aber Christine sah mich ganz anders ...

Apfelschnitze vom Baum der Erkenntnis


Christine verteilte Apfelschnitze vom Baum der Erkenntnis, regelmäßig, in jeder Ausgabe.
So lernte ich, dass ich mit meiner Größe viel zu klein wäre. Zu klein? Zumindest zu klein für den Beruf des Fotomodells. Ich selbst fühlte mich nie zu klein – und Fotomodell?, das war für mich kein Berufsziel.
Anders sah es mit meiner Mischhaut aus. Hier ließ ich mir tatsächlich ein Problem einreden und folgte den Empfehlungen des Kosmetikressorts, kaufte vom Taschengeld Gesichtswasser und mattierende Creme (und sonstige Unnützlichkeiten).
Dann meine Haare ... oh je, im Sommer bekamen sie doch tatsächlich (oder vermeintlich?) einen Gelbstich. Also musste Silberfestiger her, der die Haare scheckig und drahtig und klebrig (und schuppig?) machte. (Seit ich diese Phase der Versuche und vor allem Fehlversuche beendet habe, lasse ich keinen Festiger mehr an mein Haar, auch nicht beim Frisör.)

Dann mein Gewicht ... Der BMI war damals noch nicht bekannt. 
Es galt die Regel: 
Körpergröße in cm – 100 in kg = Normalgewicht; Normalgewicht – 15% = Idealgewicht.
Ich lag gerade mal um ca. 5% unter Normalgewicht. 15% weniger – da hätte ich 55 kg wiegen müssen!
Und dann hatte ich auch noch Schlupflider ...
So lernte ich allmählich, unzufrieden mit mir zu sein.

Nebenbei bemerkt: Schlupflider verloren ihren Status als „Problemlider“ erst, als Claudia Schiffer auf den Titelblättern erschien! War es übrigens nicht Christine, die sich rühmte, Claudia Schiffer entdeckt zu haben?

Christine hat die Lösung


Für viele (Pseudo-)Probleme hatte Christine eine Lösung parat. Die Dauerwelle z. B. war ein Mittel bei zweierlei Problemen: dünnes Haar wird aufgeplustert und gewinnt an Volumen und Standfestigkeit (!!!), fettiges Haar wird angeraut und dadurch saugfähiger (!!!). Ebenso „hilft“ Haarefärben bei fettigem Haar, weil es ebenfalls die Oberfläche anraut und saugfähiger macht.
Zu dick? Kein Problem! Man musste nur Christines Kochrezepte sammeln oder in Buchform kaufen und schon konnte man sein Gewicht selbst bestimmen. Regelmäßig machte eine Runde von rundlichen bis dicken Frauen mit Christine Diät und ließ sich „vorher“ und „nachher“ fotografieren. „Nachher“ steckten dann schon mal zwei Damen in einem Rock, der früher von nur einer Probandin ausgefüllt wurde. Natürlich versicherte jede Dame, dass es kein Problem sei, mit 1000 Kalorien monatelang über den Tag zu kommen. Schwieriger war es da schon, die winzigsten Mengen abzuwiegen, die in den Rezepten standen. Um 5 g Halbfettmargarine für ein Frühstücksknäckebrot abzuwiegen, schaffte ich mir extra eine Briefwaage an. Natürlich wurde das Knäckebrot dann noch ganz großzügig mit einer mittelgroßen Tomate belegt, und wer wollte, konnte noch ein Teelöffelchen Schnittlauch darüber streuen, das nicht einmal in die 1000 Kalorien-Bilanz eingerechnet wurde.
Christine brachte ihre Leserinnen auch immer auf den neuesten Stand der Forschung – zumindest ernährungswissenschaftlich. So wurde die frohe Kunde verbreitet, dass fünf kleine Mahlzeiten viel besser seien als 3 große, weil dadurch weniger Hunger aufkäme.
(Merkwürdig, ich glaube mich zu erinnern, dass diese Parole etwa um die gleiche Zeit aufkam in der auch Joghurt und Fruchtjoghurt die Regale der Läden eroberte. Zufall?
Jedenfalls packten danach die Sekretärinnen und Sachbearbeiterinnen in den Büros vormittags („morgens halb zehn in Deutschland“) ihren Joghurt aus und murmelten beim Löffeln die Beschwörungsformel „5 kleine Mahlzeiten sind besser als 3 große“.)
Wenn dann die Figur wieder rank und schlank war, konnte man sie mit Christines Hilfe ganz einfach erhalten, nämlich mit Christines Gymnastikprogramm. Dafür gab es in einem Heft eine Fotostrecke mit Übungen. Und wer das Gymnastikprogramm regelmäßig betreiben wollte, konnte sich das Leben vereinfachen und eine Langspielplatte kaufen. Unterlegt mit Musik des Orchesters Max Greger zählte eine Redakteurin vor: beu---gen, beu---gen, beu---gen, ...

Christine verliert ihre Magie


Irgendwann waren Fachzeitschriften mir wichtiger als Frauenzeitschriften. Nur noch gelegentlich kaufte ich mir welche, z. B. vor längeren Flügen, um sie dann nur mit wenig Interesse schnell durchzublättern. Was mir in den 80er Jahren allerdings bei Christine auffiel, die in der Heftesammlung doch noch dabei war, war, dass die Art der Fotostrecken sich deutlich verändert hatte. Während die Modefotos in meiner Anfangszeit noch die Qualität hatten, in Bildbänden verewigt zu werden, waren die Fotos jetzt von eher fragwürdiger Qualität. Oft kauerten die flippig gewandeten Models von schäbig fleckigen Wänden wie in Abbruchhäusern. Mein Gedanke dabei war dann „was soll das???“.

Das Ende kam abrupt


Mittlerweile gab es Christine auch für die erwachsene Frau. Das schaute ich mir an. Nun ja, Endvierzigerinnen, die den Rocker in sich entdeckten oder Mittfünfzigerinnen, die von Jeans mit schwarzem Pulli nun auf beige und Kurzhaarschnitt wechselten, Berichte darüber, dass Liebeskummer im fortgeschrittenen Alter mindestens so schmerzhaft sei wie in jungen Jahren und eine Kolumnistin, die sich darüber beklagte, dass sie der neuen Kommunikationstechnik kaum noch folgen könne. Wen interessierte das? Mich nicht!

Ich hatte wieder einmal einen sehr langen Arbeitstag hinter mir. Im Businesskostüm eilte ich durch den Bahnhof, kaufte am Kiosk noch schnell eine Christine und eilte weiter zum Bahnsteig. Ich stieg in den Zug und – ratsch – am neuen Kostüm war beim Einsteigen der Gehschlitz um etwa 3 cm aufgerissen. Das passierte mir immer. Ich hasste Kostüme mit Bleistiftröcken und ich weigerte mich, mir beim Einstieg in Bahn oder Bus den Rock bis zur Schenkelmitte hochzuziehen. Verärgert setzte ich mich und begann in Christine zu blättern. Eigentlich hätte sich jetzt ein Wunsch erfüllen und das Heft hätte einige elegante Alternativen zum verhassten Businesskostüm aufzeigen sollen. Stattdessen: bunter Gipsy-Look mit Netzstrümpfen und Klimperketten, das Model in der Hocke kauernd vor einer schäbigen Wand ... mir reichte es. Das hatte rein garnichts mit meiner Lebenssituation zu tun. Verärgert klappte ich das Heft zu und ließ es beim Aussteigen liegen.
Schluss, Ende – nie wieder Christine.

Einige Zeit später entdeckte ich für mich kragenlose, farbige Bouclé-Jacken mit schwarzem Bahnenrock und Seidenbluse – meine Alternative zum androgynen Businesskostüm.

Hier einige Teile, die ich mir nach Christine-Schnitten genäht hatte:



Mittwoch, 25. Dezember 2013

Die Deutschlandkette - einmal anders

Mein Weihnachtsgeschenk - die Deutschlandkette


Erinnert Ihr Euch an das Fernsehduell der Kanzlerkandidaten?  Angela Merkels Deutschlandkette erregte dabei mehr Aufsehen als ihre Aussagen. Die Kette sprang mir natürlich auch ins Auge. Aber ich dachte mir, das geht auch anders. Das Ergebnis seht Ihr hier: meine  Deutschlandkette.


Es ist ein Anhänger, den ich zusammen mit der Fa. Dern, Wiesbaden, entwickelt habe. Herr Dern ist Edelsteinschleifer und Edelsteingutachter, seine Frau ist Goldschmiedin. Der Entwurf stammt von mir.
Ende Oktober habe ich das Schmuckstück in Auftrag gegeben und konnte es vorletzte Woche abholen.
Mein Projekt Deutschlandkette begann schon mit der Auswahl der Steine in schwarz, rot und gold. Die Farbe gold ist einfach zu finden: Citrin ist dafür gut geeignet. Das Rot ist schon nicht mehr ganz so einfach, denn viele rote Farbedelsteine haben einen ganz leichten Stich ins Bläuliche, z. B. der Rubin.
Ich wollte einen eher bräunlichen Unterton haben - also Granat oder, wie bei meinem Schmuckstück, ebenfalls Citrin. Citrine gehören übrigens zur Gruppe der Quarze. Herr Dern hat sich eine gute Stunde Zeit genommen, bis wir die passenden Steine ausgewählt hatten. Als schwarz kommt eigentlich nur Onyx in Betracht. Dieser Stein ist allerdings völlig intransparent und wird daher nicht mit Facettenschliff angeboten. Damit mein Onyx  in der Form zu seinen Partnersteinen passt, erhielt mein Onyxstein bei einem Edelsteinschleifer in Idar-Oberstein den passenden Facettenschliff.
Danach erhielten die Steine ihre Fassung. Dann gab es wieder ein längeres Zusammentreffen, bis die Verbindung zwischen den einzelnen Steinen und das endgültige Ausehen des Anhängers festgelegt waren.
Mein Mann freute sich, dass er es so einfach hatte, das passende Weihnachtsgeschenk für mich zu "finden".
Heute trage ich, wie angekündigt, mein Weihnachtstutu. Und dazu die Deutschlandkette. Beides passt eigentlich nicht zusammen, aber das ist heute mal egal.
Euch allen wünsche ich weiterhin schöne und stressfreie Feiertage!