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Samstag, 21. November 2020

Brauche ich jedes Jahr ein neues Weihnachtskleid?

Dies ist eines meiner ersten Weihnachtsfotos aus unserem Familienalbum (wahrscheinlich von 1955). Wenn ich es betrachte, fühle ich die Wärme des Holz- und Kohlenofens in der Ecke des Zimmers, fühle die Kälte an den Einscheibenfenstern, die von dichten Vorhängen ferngehalten wird. Ich nehme den warmen Kerzenschein an unserem kleinen Weihnachtsbaum wahr ... (Für unsere kleine Wohnung hatte das Bäumchen genau die richtige Größe.)

Heiligabend wurde bis nachmittags gearbeitet - außer, wenn die Männer, die sonst auf dem Bau arbeiteten, wenige Tage zuvor entlassen worden waren.. (So konnte der Bauunternehmer das Weihnachtsgeld sparen.)
Weihnachten und Silvester waren im Familienleben die Höhepunkte des Jahres. Es war selbstverständlich, dass man sich zu solchen Anlässen bestmöglich kleidete. Mutti und Oma trugen ihr "Kleines Schwarzes". Obwohl das Foto vor 65 Jahren aufgenommen wurde, erinnere ich mich noch genau an diese Kleider. Muttis Kleid mit den überschnittenen Ärmeln hatte ein Oberteil in Wickeloptik aus Samt und war tatsächlich schwarz. Der Rock war ein Tellerrock aus Taft mit applizierten Samtblüten. Wie oft habe ich heimlich  den Samt gestreichelt. Omas Kleid war aus dunkelblauem Wollstoff, tailliert, mit unterhalb der Taille angesetztem Glockenrock und Montagegürtel in der Taille. Die Ärmel waren angeschnitten und 3/4 lang. "Fledermausärmel" hießen sie damals.


Vater und Opa trugen Wollhosen mit messerscharfen Bügelfalten. Ich erinnere mich noch an diesen typischen Wollgeruch, wenn die Hosen mittels feuchtem Tuch und heißem Bügeleisen gedämpft wurden. An Sonn- und Feiertagen gehörte das weiße Hemd mit Krawatte immer dazu. Im häuslichen Umfeld trug Mann eine Strickjacke mit Reißverschluss. Ich denke dabei auch an die berühmten Strickjackenfotos, die mehr als 3 Jahrzehnte später entstanden: Kohl und Gorbatschow - eine Männerfreundschaft in Strickjacken.

Zurück zur Ausgangsfrage: Brauche ich jedes Jahr ein neues Weihnachtskleid? Auf jeden Fall muss es an den Weihnachtsfeiertagen (und an Silvester) ein besonderes Kleid sein, eines, in dem ich mich deutlich vom üblichen Alltag abhebe. Und es muss bequem sein, kein Stehkleid, sondern eines zum gemütlichen Sitzen, Lümmeln und Kuscheln und es muss Platz haben für den Weihnachtsbraten, für üppige Beilagen, guten Wein und ausschweifende Desserts.

Muss es neu sein? Für mich reicht neuwertig, also nicht häufig und zu jeder Gelegenheit getragen. Selbst Royals sieht man sogar bei großen Auftritten dann und wann ein Outfit zum wiederholten Mal tragen. In diesem Jahr habe ich vier (gekaufte) Kleider zur Auswahl, zwei davon noch mit Preisschild, aber dennoch sind alle vier schon einige Jahre in meinem Bestand. Außerdem hatte ich mir dieses Jahr einen schönen schwarzen Rock gekauft, den ich (außer für Fotos) ebenfalls noch nicht getragen habe. Demnächst ist dazu Gelegenheit.

Meine Auswahl für dieses Jahr:

Ein Jerseykleid - noch mit Schildchen

  


Ein blassrosa Strickkleid. Es sieht angezogen viel besser aus als so auf dem Bügel.

 

 Mein "Kleines Schwarzes" ist grau. Ich habe dieses Kleid ein einziges mal im Theater getragen.
 

Der Clou des Kleids befindet sich auf der Rückseite.
(Mit den Fotos dieses Kleids grüße ich Tina von Tinaspinkfriday herzlich.
Ich habe mir mein Kleid gekauft, nachdem sie ihres auf ihrem Blog vorgestellt hatte.
Danke, Tina, für diese Inspiration!)




Dieses Kleid aus Seide ist mein Favorit für Heiligabend 2020.
 



Und dann gibt es noch diesen Rock ... den ich dann natürlich winterlich kombinieren werde.


Meine Ausgangsfrage ist damit beantwortet. Ich muss weder etwas Neues kaufen - noch selbst nähen. - ich darf einfach aussuchen und hübsch kombinieren, ganz ohne Hektik. Dennoch werde ich den WKSA mit großem Interesse verfolgen.

 

Donnerstag, 20. August 2020

Luftiges Kleid für den Hochsommer


An heißen Tagen mag ich dieses Kleid aus Hemdenstoff / Baumwollpopeline sehr. Es ist luftig und locker geschnitten, engt nirgends ein.

 

Es ist weiß mit blauen Streifen, die längs und quer verlaufen. Sie erinnern mich an ein Herrenhemd. Im Rücken hat es einen RV plus Schlitz mit Knopf - eigentlich unnötig, denn ich kann es locker über den Kopf anziehen.


Nebenbei bemerkt: Corona ist noch nicht vorbei, aber von meiner Corona-Frisur habe ich mich nun doch klar distanziert.


 Die neue Tasche passt farblich genau dazu.

 

Das Kleid war ein Schnäppchen im letztjährigen Sale. Ich habe es im Herbst entdeckt. Der Sommer war vorüber, es gab im letzten Jahr keine Gelegenheit mehr, es zu tragen. Um so mehr freue ich mich dieses Jahr darüber.


 

Interessant ist der Armausschnitt, der recht tief ausfällt. Gegen unerwünschte Einblicke ist ein Dreieck eingesetzt, das den Armausschnitt auf Normalmaß bringt. Eine gelungene Lösung.

 

 

 

Sonntag, 14. Dezember 2014

Das Weihnachtskleid ist fertig!

Ich bin ungeduldig ...

... und ich möchte nicht bis zum großen Finale warten, sondern es jetzt schon zeigen - jedenfalls ein bisschen.

Ich bin stolz auf mich, dass ich durchgehalten habe und ich freue mich, dass das Kleid passt. (Die Arme kann ich anheben und den RV selbst schließen ;-))

Und jetzt schau ich gleich, welche Nähfortschritte bei den anderen Teilnehmerinnen des WKSA 2014 zu bewundern sind.

Beim Styling mit Pelzschal habe ich mich an einer der beiden Burda-Vorlagen orientiert.



Beim letzten MMM habe ich schon Mutter und Tochter in ihren Weihnachtskleidern gezeigt.


Derzeit macht es mir Spaß, in meinem Kleiderschrank nach Accessoires für mein Kleid zu suchen und es unterschiedlich zu kombinieren. Ursprünglich wollte ich noch einen Gürtel nähen. Das ist aber nicht notwendig, ich habe einige geeignete Gürtel in meinem Bestand gefunden.

Mehr Fotos gibt es zum Finale am 22.12.2014.

 

Umgebautes UFO

Ich habe mir auferlegt, mit dem Abbau meines Stofflagers zu beginnen. Aus diesem schönen Wollstoff hatte ich vor fast 2 Jahrzehnten (!) ein Kleid (in Gr. 40) zugeschnitten. Aus diesem Kleiderzuschnitt wurde das Oberteil (plus Besatz), für den Rock und die Ärmel hatte ich 1,6 m zur Verfügung. Futter und Garn hatte ich ebenfalls, kaufen musste ich nur den RV. Damit hat mich das Kleid ca. 7 € gekostet.
So habe ich das UFO noch irgendwie verwertet und zugleich den Stoffbestand etwas abgebaut.
Ich bin ein stolzes Sparbrötchen!

Schnittbewertung

Schnittmuster: Burda 01/2001 Nr 122 bzw. 123
(gleiches Oberteil, unterschiedliche Rockteile)


Sieht das Kleidungsstück wie auf dem Foto bzw. wie auf der technischen Zeichnung aus?
Ja.
Ich habe es ein wenig geändert. Um Stoff zu sparen habe ich das Rockteil als 4-Bahnenrock zugeschnitten statt zwei Rockteile in der Diagonale.

War die Anleitung leicht zu verstehen?
Nun ja, es ist eine typische Burda-Anleitung, mal mehr mal weniger verständlich.
Für mich war die Nähreihenfolge ungewohnt. Nach den Abnähern wurden die Rockteile an die Oberteile gefügt, dann der RV eingenäht und dann die Seitennähte geschlossen.
Der Vorteil dieser Methode ist, dass man bei leichten Änderungen der Figur (und bei entsprechender Nahtzugabe) das Kleid in den Seitennähten leicht etwas enger oder weiter machen kann.
Der Nachteil ist, dass für alle folgenden Nähschritte am Oberteil, also Ärmel und Besatz, immer schon das gesamte Kleid samt voluminösem Rock auf dem Nähtisch hin und her gewälzt werden muss. Das Nähen wird dadurch umständlich.

Gesamtbewertung:
Ein schönes Kleid, über das ich mich wirklich freue.

Verwendeter Stoff: 
Reine Schurwolle sowie Futterstoff Nevaviscon

Änderungen am Schnittmuster?
Jede Menge! Ich habe den Schnitt gemäß Maßtabelle zunächst vergrößert. Danach habe ich ihn bei den Anproben Schritt für Schritt wieder verkleinert. Hätte ich von Anfang an eine kleinere Größe verwendet und nur punktuell angepasst, hätte ich mir viel Arbeit sparen können.
Die Regel, sich bei der Größenwahl der Kleider an der Oberweite zu orientieren, passt eben nicht immer.

Würdest du nach diesem Schnittmuster nochmals nähen?
Ja.
Auf jeden Fall werde ich diesen Schnitt aufbewahren. 
Aber in der Burda (01/2015) gibt es bereits ein neues Kleid (Nr. 126), das mir gut gefällt ... Und ich habe noch Stoff auf Lager ...

Dank für die Kommentare

Für die Kommentare zu meinen vorangegangenen Beiträgen bedanke ich mich bei Euch. Die ein oder andere Anregung werde ich beim nächsten Kleid aufgreifen.

Zunächst aber werde ich meinen temporären Nähplatz abbauen und für Weihnachten Ordnung schaffen.

Mittwoch, 10. Dezember 2014

Mutter und Tochter

Meine Tochter, die in wenigen Tagen 14 Jahre alt wird, wünschte, dass ich sie in ihrem neuen Geburtstags- und Weihnachtsoutfit poste. Diesen Wunsch erfülle ich gern.
Und so haben wir uns heute Nachmittag unsere neuen Weihnachtskleider übergezogen, die Accessoires aufeinander abgestimmt und uns per Selbstauslöser fotografiert.







Mutter und Tochter im Partner-Look: aufeinander abgestimmt sind unsere hellen Kleider und dazu dunkle Accessoires.

Dann wurde uns draußen zu kalt und wir machten drinnen weiter ...


Für mich war es die Gelegenheit, erste Tragefotos meines selbst genähten Weihnachtskleids zu zeigen, gemeinsam genäht mit anderen Bloggerinnen beim WKSA 2014, das ich heute noch bei MMM vorstelle.
Und jetzt geht's noch schnell zu Share in Style.

Soloauftritt meiner Tochter in ihrem selbst ausgesuchten Outfit.

Ihr Outfit - Kleid, Jäckchen und Tasche -  stammt von Orsay, die Ballerinas von Roland.
Mein Outfit: selbst genähtes Kleid aus reiner Schurwolle nach Burda-Schnitt (01/2001, 123), Jäckchen von Peter Hahn, Schuhe von Hassia, Tasche aus den frühen 70ern.

Mittwoch, 5. November 2014

Persönlicher Blick auf die Fifties

Vorbemerkung:

Dieser Beitrag ist schon einige Zeit fertig, aber bisher zögerte ich, ihn tatsächlich zu veröffentlichen, weil er sehr persönlich / privat ist. Heute habe ich mir nun selbst das OK dafür gegeben. Ich wünsche viel Freude beim Betrachten der Bilder.

"Die fantastischen Fifties"

Unter diesem Titel erschien vor einiger Zeit eine Ausgabe der Burda - "Vintage Burda" - mit 12 Originalschnitten aus Burda-Heften der 50er Jahre.
Das für mich bestellte Exemplar holte ich mir am Erscheinungstag gleich morgens um kurz nach 7 bei meinem Lieblingskiosk ab.
Schon kurz darauf erschienen im Netz die ersten Kommentare dazu. Teils wurde gelobt, teils kritisiert.
Lob gab es, weil immerhin 10 Schnitte in den Größen 36 - 44 und 2 in 34 - 42 enthalten sind. Darunter eine tolle Strandkombination, Shorts mit Oberteil zum geknöpften, ausgestellten Rock (leider nur bis 42), ein schmal auf Figur geschnittenes Kostum, Tanzkleider ...
Jedes der Modelle wird ergänzt durch einen Begleittext sowie Fotos, auf denen prominente Damen dieser Zeit Kleider ähnlicher Art trugen.
Meine Kritik an dem Heft bezieht sich zum einen auf die Stoffwahl, zum anderen auf die Stylingvorschläge zu den Modellen. Die Stoffauswahl ist teilweise lieblos und effektheischend: kitschiges Barbie-rosa zum Tanzkleid, Goldlamé zum Cocktailkleid oder glänzender Satin für einen Tagesrock … Schade, die Mode der 50er wird auf manchen Fotos eher karikiert als dass sie wertschätzend dargestellt wird.
Die Styling-Vorschläge orientieren sich an aktuellen Trends. Man versucht, den Stil der 50er in die heutige Zeit zu transportieren. Da werden Loafers zum Tanzkleid gesellt, ein Tanzkleid mit einem Zylinder "aufgepeppt" oder Plateauschuhe der 70er mit nach unten breiter werdendem Absatz zum Cocktailkleid vorgeschlagen.
Retro würde ich anders darstellen.

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Bild von burdastyle.de - Kleid "Fiore"
Das Kleid ist ein Traum - aber der Zylinder??? - im Grunde sieht er dazu nicht übel aus, in den 50ern wäre er aber allenfalls zum Fasching getragen worden.

Die Vintage Burda zeigt also Kleidungsstücke, wie sie damals nach Vorbildern bekannter Modeschöpfer oder bekannter Stars in Burda-Schnitte umgesetzt wurden.

Die Entwürfe der seinerzeit stilprägenden Designer sind uns aus vielen Abbildungen bekannt. Auch aus alten Filmen ist uns der Look geläufig.

Aber was trugen "normale" Frauen damals im "echten" Leben? Wie sah der "Streetstyle" dieser Zeit aus?
Um darüber mehr zu erfahren, genügt oft schon ein Blick ins Familienalbum. Dazu lade ich Euch jetzt ein.

Die Mode der Fünfziger im Alltag - aus einem ganz persönlichen Blickwinkel



1950: Das Bolerokleid





























Sommerliches Trägerkleid mit Glockenrock und dazu passendem Bolero. Der Rock bedeckt das Knie gut eine Hand breit.
Große, tropische Blumen in satten Farben der Herbstpalette sind das Muster dieses Kleids. Dazu wurden Sling-Pumps mit kleinem, stabilem Absatz in Velours-Leder getragen.

1951: Weit schwingendes Kleid mit Rüschenzier


Deutlich länger wurden Kleider mit Telerröcken getragen. Die leicht gerafften Ärmel dieses weiten Kleids mit diagonal geschnittenem Rock reichten bis zum Ellenbogen. Ausschnitt und Armabschluß wurden mit einer Rüsche verziert. Die Weite des Kleids konnte durch breite Bindebänder im Rücken regliert werden und sorgten für eine betonte Taille. Das Kleid war von einer Schneiderin angefertigt.

Gekaufte und angefertigte Kleidung standen damals gleichberechtigt nebeneinander. Viele Frauen waren Schneiderin von Beruf und arbeiteten zu Hause. Sich ein Kleid bei der Schneiderin in der Nachbarschaft anfertigen zu lassen, war auch für "kleine Leute" erschwinglich und durchaus üblich. 


1951: Weites Kleid mit Carreeausschnitt


Auch dieses Kleid mit Carreeausschnitt, kleinem Kelchkragen und drapiertem Brustbereich war maßgeschneidert. Die halblangen Ärmel hatten bequeme Weite. Natürlich hatte der Rock schwingende Weite und die damals dazu übliche Länge.
Das Kleid wurde ohne Pettycoat getragen. Steife Pettycoats gehörten nach meiner Wahrnehmung erst ab Mitte / zweite Hälfte der 50er zum allgemeinen Erscheinungsbild auf den Straßen.



















1951: Streifenkleid






















Das einfache Streifenkleid mit überschnittener Schulter weist einige kleine Besonderheiten auf: kleiner V-Ausschnitt mit angesetzten Kragen. Der Pfiff des Kleids entsteht durch die interessante Kombination der Streifen beim Zuschnitt.
Da der Rock nur ausgestellt, jedoch nicht weit schwingend ist, fällt die Länge etwas kürzer aus.
Kombiniert zum Kleid wurden Sandalen mit Söckchen oder Schnürschuhe mit Absatz, die "Trotteurs" genannt wurden.

Streifenkleider wurden damals sehr ansprechend zugeschnitten. Zum quergesteiften, in Falten gelegten Rock war das mehrteilig zugeschnittene Oberteil in der vorderen Mitte längs gestreift und an den Seitenteilen diagonal zugeschnitten, wodurch die Taille sehr schmal wirkte. Oder der Rock wurde in ausgestellten Teilen zugeschnitten, wodurch ein Zackeneffekt entstand.

1951: Schneiderkostüm aus englischem Tuch

Maßgefertigt aus englischem Tuch war dieses einreihig geknöpfte, stark taillierte Kostüm mit betonten Schultern, das deutlich an einen Herrenanzug erinnert. Ein Tüchlein gehörte selbstverständlich in die Brusttasche. Der Rock mit Kellerfalte ist leicht ausgestellt. Die hoch geschlossene Bluse dazu wirkt streng.
Nach der Improvisation in der Mitte und den späten 40er Jahren, - Kleider aus Fallschirmseide, handgestrickte Pullis aus aufgezogenen Zuckersäcken - , genoss man in den frühen 50ern die neue Vielfalt in den Stoffläden.  Und man legte Wert auf Qualität.

 

 

 

1954: Quer gestreifter Wollmantel

Neben taillierten, weitschwingenden Mänteln waren in den 50ern auch gerade Mantelformen vertreten. Hier ein anthrazit-dunkelgrau gestreiftes Modell mit Kelchkragen. Kleine Abnäher sorgen dafür, dass der recht weite Raglanärmel zum Handgelenk hin schmäler wird. Ergänzt wurde der Mantel durch Pumps und Strümpfe mit dunkler Naht.

Das kleine Model trägt zu ihrem Hängerchen mit Smokpasse ein d'blaues Cordmäntelchen und d'blaue Schnürstiefel. 



 

 

 

 

 


 

1955: Noch ein Bolerokleid


Das Oberteil mit verlängerter Taille hat Raffungen.  Der angesetzte, weite Rock ist an der Ansatznaht gekräuselt. Beliebtes Druckmotiv: Blütenranken.
Ohne Bolero wurde das Trägerkleid nur im famliliären Kreis, etwa im Garten oder aber am Strand / im Freibad getragen. In der Öffentlichkeit gehörte das Bolero darüber, um angemessen gekleidet zu sein.






Retrokleider gab es in den darauf folgenden Jahrzehnten immer wieder: hier ein Kleid aus der 2. Hälfte der 80er Jahre mit verlängerter Taille und angesetztem, ausgestelltem Rock, zu dem ein Bolero mit kurzem Arm gehörte. Der Druck zeigt exotische Blüten und Dschungelpflanzen.

 

 

 

 

 

 

Auch tropische Blüten tauchen immer wieder auf, z. B. auf diesem zweiteiligen Kleid mit überschnittenen Schultern von 2014.

 

 

 

 

 

 

1957: Das Tailleur, perfekte Frühjahrsgarderobe zum Flanieren


Der Laufsteg der kleinen Leute war der Sonntagsspazierweg.
Die Arbeitszeit betrug 48 Std pro Woche, das bedeutete achteinhalb Stunden täglich und samstags bis 14 Uhr arbeiten. Der Samstag Nachmittag wurde Haushalt, Garten und der Körperpflege gewidmet. Fließend warmes Wasser für das Wannenbad kam aus dem Badeofen, der dafür extra befeuert werden musste. Wer in seiner Vorkriegswohnung kein Bad hatte, ging ins öffentliche Wannenbad, wo man sich für eine Zeiteinheit eine Kabine mit Badewanne mieten und ausgiebig baden konnte - mit Fichtennadelbrausetabletten.

Sonntag war der Höhepunkt der Woche. Gleich nach dem Mittagessen zog man sich fürs Flanieren um.
Die besten Kleidungsstücke wurden ausgewählt, das Haar sorgfältig frisiert, Puder und Lippenstift aufgetragen. Für den eleganten Duft sorgte 4711 Kölnisch Wasser oder Tosca. Beide Marken wurden in den unterschiedlichsten Größen angeboten und waren auch als Geschenk sehr beliebt.
Angenehm duftend und sorgfältig ausgestattet ging es dann los zum Sonntagsspaziergang oder -ausflug. Überall waren Leute unterwegs - und alle sorgfältig gekleidet. Die Herren, egal ob Bau- oder Fabrikarbeiter oder Büroangestellter, trugen zum Anzug oder zu Sakko und Tuchhose ein weißes Hemd mit Kravatte.
Die Damen ... nun, Beispiele sind hier zu sehen.

Dieses figurbetonte Kostüm mit Montagegürtel über der Schößchenjacke wurde als Tailleur bezeichnet. Aus d'blauem Rips mit überzogenen Knöpfen wirkte es zurückhaltend elegant. Vervollständigt wurde es mit weißen Accessoires: zehenoffene Slingpumps, transparente Handschuhe, eine mit Organzablüten besetzte Kopfbedeckung, die heute als Fascinator bezeichnet würde und weißer Handtasche. Das i-Tüpfelchen war die Brosche, hier ein Blütenstiel.

Und was befand sich in der Handtasche?: ein blütenweißes, nach Kölnisch Wasser duftendes  Stofftaschentuch, das mit weißer oder pastellfarbener Spitze umhäkelt war, ein Kamm, vielleicht auch ein kleines Fläschchen 4711 Kölnisch Wasser oder Tosca, ebenfalls von 4711, und ...
Puderdose mit Spiegel und dunkelroter Lippenstift von Margret Astor! Beides in elegantem, schwerem Messingbehältnis - für mich der Inbegriff des Luxus.

Das kleine, etwas quengelige Model trägt einen doppelreihig geknöpften Pepitamantel mit Samtkragen über einem hellblauen Matrosenkleid.  

 

1957: Heller Mantel aus Tweed


Die Schuhe, die zu diesem Tweedmantel mit verdeckter Knopfleiste getragen wurden, sind der Clou dieser Kombination: es waren echte Schlangenlederpumps mit typischer Maserung und Schuppenstruktur des Obermaterials.

Die kleine Puppenmutter trägt zum Pepitamäntelchen ein rotes Filzhütchen.


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

1957: Hemdblusenkleid

Knopfreihe bis zur Taille, Blusenkragen, überschnittene Schultern, stoffbezogener Montagegürtel, schräge Taschen und Tellerrock waren die Merkmale dieses Hemdblusenkleids.
Neu war das Material: Perlon! Pflegeleicht und bügelfrei!
In der 2. Hälfte der 50er traten Stoffe aus "Kunstfasern" ihren Siegeszug an. Die Bevölkerung war offen für jegliche Art von Neuerungen.
(In der Folge kamen die berüchtigten Nylonhemden der Herren auf.)
Mit rotem Trägerrock zu Puffärmelblüschen und rotem Hut ist die Kleine unterwegs. 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

1957: Knotenkleid

Durchaus auch typisch für die zweite Hälfte der 50er waren Kleider im ausgestellten Bahnenschnitt. Bei diesem Modell ist das Bolero nur angedeutet, die beiden Stoffteile werden über der Brust geknotet. Die Schultern sind wieder überschnitten. An den seitlichen Bahnen sind ca. 30 cm hohe, eingereihte Teile eingesetzt, die Quernaht darüber wird mit einer Paspel betont.
Die Farben: elfenbeinfarbene Punkte auf altrosa Grund.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

1959: Kleid mit leichtem Pettycoat


Auf dem Weg in die 60er wurden die weiten Röcke bereits wieder etwas kürzer.
Bei diesem Kleid mit V-Ausschnitt wird die Weite des ausgestellten Rock durch einen eingearbeiteten, leichten Pettycoat betont.
Der Rock ist in der Taille gekräuselt. Die Schnittteile des Oberteils sind ebenfalls gerafft. Die Raffungen, die von der Unterbrustnaht ausgehen, enden in den überschnittenen Schultern. Das Schnittteil unterhalb der Brust bis zur Taille ist ebenfalls gerafft. Ein entsprechendes Schnittteil befand sich auch auf der Rückseite.

Das kleine Mädchen trägt ein Hängerchen mit Rüschenbesatz aus Organdy, das große Mädchen ein Kleid mit angesetztem, weitem Rock, der durch einen eingearbeiteten Pettycoat Stand bekam.

Jahrzehnte später, es war im März dieses Jahres, entdeckte ich Stilelemente dieses Damenkleids wieder.



Mein déjà-vu: ein langes Kleid mit gerafften Schnittteilen im Oberteil.
Ich verliebte mich in den wunderschönen Druck und in den Schnitt, der mich sofort an "früher" erinnerte.
Behalten habe ich dieses Kleid nicht, leider. Ich hatte Sorge, dass es schon bei leichten Gewichtsschwankungen nicht mehr passen würde.
Wenn ich geahnt hätte, dass ...

Einige Gedanken zum Schluss

Ich schrieb einmal: "Wenn ich jemals im Leben ein modisches Vorbild hatte, dann war es Faye Dunaway im Film "Bonnie and Clyde"". Sie gab den Anstoß, mich zu "meiner" Rocklänge zu bekennen, die ihren Ursprung in der Mode der 30er Jahre hatte.
Wenn ich mir jetzt diese Fotos betrachte, bin ich überzeugt, dass auch meine Mutter einen wesentlichen Anteil an meinem Modegeschmack hatte. Als Kind habe ich ihren Stil sehr bewundert. Denke ich an meine Kindheit in den 50ern, dann ist manchmal sogar der Duft von 4711 Kölnisch Wasser oder Tosca präsent. Umgekehrt wecken diese Düfte Kindheitserinnerungen.

Modisch gesehen hat mir an den 50ern imponiert, dass jeder, egal aus welcher gesellschaftlichen Schicht,  um sein Äußeres bemüht war. Sonntags und zu Anlässen zeigte man, was oder wer man war oder was oder wer man sein wollte.
Diese Sorgfalt ging im Laufe der zweiten Hälfte der 60er mehr und mehr verloren. Sonntagskleidung? - Wozu?

Bemerkenswert war, dass in einem Durchschnittshaushalt mit dem damals üblichen Standardschrank im Schlafzimmer, die Garderobe zweier Erwachsener sowie Bett-, Tisch- und Leibwäsche in einem Schrank (von relativ geringen Ausmaßen) untergebracht waren.

Inwieweit haben Kinderjahre Einfluss auf den späteren Modegeschmack? Als Kind wurde ich oft anlassentsprechend gekleidet. Hat das meine Art mich zu kleiden geprägt?
Wie wird es bei den Mädchen sein, bei denen heute bunte Shirts und Jeans zur alltäglichen Kleidung gehören? Werden sie sich später mit Röcken und Kleidern anfreunden können? Werden sie es ertragen können, Bein zu zeigen? 


Copyright

Außer dem Foto aus Burda sind alle weiteren Fotos aus meinem Familienbesitz und dürfen nicht anderweitig veröffentlicht werden.