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Sonntag, 14. Dezember 2014

Das Weihnachtskleid ist fertig!

Ich bin ungeduldig ...

... und ich möchte nicht bis zum großen Finale warten, sondern es jetzt schon zeigen - jedenfalls ein bisschen.

Ich bin stolz auf mich, dass ich durchgehalten habe und ich freue mich, dass das Kleid passt. (Die Arme kann ich anheben und den RV selbst schließen ;-))

Und jetzt schau ich gleich, welche Nähfortschritte bei den anderen Teilnehmerinnen des WKSA 2014 zu bewundern sind.

Beim Styling mit Pelzschal habe ich mich an einer der beiden Burda-Vorlagen orientiert.



Beim letzten MMM habe ich schon Mutter und Tochter in ihren Weihnachtskleidern gezeigt.


Derzeit macht es mir Spaß, in meinem Kleiderschrank nach Accessoires für mein Kleid zu suchen und es unterschiedlich zu kombinieren. Ursprünglich wollte ich noch einen Gürtel nähen. Das ist aber nicht notwendig, ich habe einige geeignete Gürtel in meinem Bestand gefunden.

Mehr Fotos gibt es zum Finale am 22.12.2014.

 

Umgebautes UFO

Ich habe mir auferlegt, mit dem Abbau meines Stofflagers zu beginnen. Aus diesem schönen Wollstoff hatte ich vor fast 2 Jahrzehnten (!) ein Kleid (in Gr. 40) zugeschnitten. Aus diesem Kleiderzuschnitt wurde das Oberteil (plus Besatz), für den Rock und die Ärmel hatte ich 1,6 m zur Verfügung. Futter und Garn hatte ich ebenfalls, kaufen musste ich nur den RV. Damit hat mich das Kleid ca. 7 € gekostet.
So habe ich das UFO noch irgendwie verwertet und zugleich den Stoffbestand etwas abgebaut.
Ich bin ein stolzes Sparbrötchen!

Schnittbewertung

Schnittmuster: Burda 01/2001 Nr 122 bzw. 123
(gleiches Oberteil, unterschiedliche Rockteile)


Sieht das Kleidungsstück wie auf dem Foto bzw. wie auf der technischen Zeichnung aus?
Ja.
Ich habe es ein wenig geändert. Um Stoff zu sparen habe ich das Rockteil als 4-Bahnenrock zugeschnitten statt zwei Rockteile in der Diagonale.

War die Anleitung leicht zu verstehen?
Nun ja, es ist eine typische Burda-Anleitung, mal mehr mal weniger verständlich.
Für mich war die Nähreihenfolge ungewohnt. Nach den Abnähern wurden die Rockteile an die Oberteile gefügt, dann der RV eingenäht und dann die Seitennähte geschlossen.
Der Vorteil dieser Methode ist, dass man bei leichten Änderungen der Figur (und bei entsprechender Nahtzugabe) das Kleid in den Seitennähten leicht etwas enger oder weiter machen kann.
Der Nachteil ist, dass für alle folgenden Nähschritte am Oberteil, also Ärmel und Besatz, immer schon das gesamte Kleid samt voluminösem Rock auf dem Nähtisch hin und her gewälzt werden muss. Das Nähen wird dadurch umständlich.

Gesamtbewertung:
Ein schönes Kleid, über das ich mich wirklich freue.

Verwendeter Stoff: 
Reine Schurwolle sowie Futterstoff Nevaviscon

Änderungen am Schnittmuster?
Jede Menge! Ich habe den Schnitt gemäß Maßtabelle zunächst vergrößert. Danach habe ich ihn bei den Anproben Schritt für Schritt wieder verkleinert. Hätte ich von Anfang an eine kleinere Größe verwendet und nur punktuell angepasst, hätte ich mir viel Arbeit sparen können.
Die Regel, sich bei der Größenwahl der Kleider an der Oberweite zu orientieren, passt eben nicht immer.

Würdest du nach diesem Schnittmuster nochmals nähen?
Ja.
Auf jeden Fall werde ich diesen Schnitt aufbewahren. 
Aber in der Burda (01/2015) gibt es bereits ein neues Kleid (Nr. 126), das mir gut gefällt ... Und ich habe noch Stoff auf Lager ...

Dank für die Kommentare

Für die Kommentare zu meinen vorangegangenen Beiträgen bedanke ich mich bei Euch. Die ein oder andere Anregung werde ich beim nächsten Kleid aufgreifen.

Zunächst aber werde ich meinen temporären Nähplatz abbauen und für Weihnachten Ordnung schaffen.

Mittwoch, 10. Dezember 2014

Mutter und Tochter

Meine Tochter, die in wenigen Tagen 14 Jahre alt wird, wünschte, dass ich sie in ihrem neuen Geburtstags- und Weihnachtsoutfit poste. Diesen Wunsch erfülle ich gern.
Und so haben wir uns heute Nachmittag unsere neuen Weihnachtskleider übergezogen, die Accessoires aufeinander abgestimmt und uns per Selbstauslöser fotografiert.







Mutter und Tochter im Partner-Look: aufeinander abgestimmt sind unsere hellen Kleider und dazu dunkle Accessoires.

Dann wurde uns draußen zu kalt und wir machten drinnen weiter ...


Für mich war es die Gelegenheit, erste Tragefotos meines selbst genähten Weihnachtskleids zu zeigen, gemeinsam genäht mit anderen Bloggerinnen beim WKSA 2014, das ich heute noch bei MMM vorstelle.
Und jetzt geht's noch schnell zu Share in Style.

Soloauftritt meiner Tochter in ihrem selbst ausgesuchten Outfit.

Ihr Outfit - Kleid, Jäckchen und Tasche -  stammt von Orsay, die Ballerinas von Roland.
Mein Outfit: selbst genähtes Kleid aus reiner Schurwolle nach Burda-Schnitt (01/2001, 123), Jäckchen von Peter Hahn, Schuhe von Hassia, Tasche aus den frühen 70ern.

Sonntag, 7. Dezember 2014

WKSA 2014 Fortschritte und Erkenntnisse

Der Stand meines Projekts

Uah, es passt nicht, das muss ich ändern
Nun ja, über den Aufwand, einen Schnitt erst zu vergrößern, um dann die zugeschnittenen Teile Schrittchen für Schrittchen zu verkleinern, habe ich mich bereits ausgelassen. Nach mehreren Steck- und Heftanproben haben die Teile dann doch gepasst.

Ich habe diese schwierige Stelle gemeistert und bin stolz wie Bolle
Besonders spannend war das Einnähen der Ärmel. Nachdem ich so viel an der Passform geändert habe, musste ich natürlich am Zuschnitt des Ärmels auch korrigieren.
Nach dem Einheften des Ärmels sah der zuerst wie ein leicht geraffter Puffärmel aus, trotz der mittels Hilfsnähten eingehaltenen Armkugel. Mit drei Hilfsnähten zum Einhalten und viel, viel Dampf habe ich den Ärmel dann so hinbekommen, dass die Kugel glatt sitzt.
Ich habe jetzt doch den Originalärmel dieses Modells verwendet. Ursprünglich hatte ich die Idee, einen langen Ärmels eines anderen Burdamodells zu verwenden. Nach dem Kopieren war aber schon offensichtlich, dass der lange Ärmel auf Anhieb nicht ins Armloch passt. Nach all den Passproblemen, die ich hatte, will ich mir ein weiteres Experiment ersparen, deshalb gibt es jetzt eben den kurzen Ärmel.

Das sieht doch schon ganz gut aus, oder?
Egal, den Ärmel ändere ich nicht mehr! Genug getüftelt und gebastelt.

Ich hab ein Hängerchen und brauche Motivation! 

Nach Einnähen des Ärmels hatte ich erstmals überhaupt keine Lust mehr, das Kleid nochmals anzuprobieren. Deshalb habe ich begonnen, das Futter zuzuschneiden. Spätestens wenn ich das Futter zum Einsetzen ins Kleid anprobiere, werde ich zwangsläufig auch das Kleid wieder anprobieren. Vorerst hängt es auf dem Bügel und hat Pause.
Einen Hänger habe ich nicht, aber anstelle von Motivation tritt konsequentes Dranbleiben und Hartnäckigkeit.

Das Ergebnis sieht nun so aus:

Um dem Finale nicht vorzugreifen, gibt es heute Fotos vom Kleid auf dem Bügel - denn: der Rohbau ist fertig!

Mit dem Innenausbau habe ich angefangen, soll heißen, ich habe mit dem Futter begonnen.

Was noch fehlt: Futter fertigstellen und einsetzen, Saum nähen (das mach' ich von Hand) und natürlich bügeln/dämpfen.

Als Kür gibt es dann vielleicht noch ein bisschen Tüdeldü - mal sehen.



Mein Kleid kommt der Vorlage aus Burda 01/2001 Nr. 123 jedenfalls ziemlich nahe.


Erkenntnisse

Ich schrieb bereits, dass ich den Schnitt auf Gr 48 vergrößert hatte und bei den Anproben / beim Nähen dann in vielen kleinen Schritten verkleinert habe. Am Ende kam ich zu den Ergebnis, dass ich besser in Gr 44 mit großzügiger Nahtzugabe zugeschnitten hätte. Meine These kann ich jetzt am Beispiel der Schnittteile des Vorderteils belegen:






































Zur Schulter hin hat das größere Teil für mich viel zu viel an Längenzugabe, die Zugabe in der Mitte ist für mich unnötig, sie sorgt sogar dafür, dass der Brustpunkt etwas zu weit außen liegt. Die Zugabe an der Seitennaht werde ich beibehalten.

Ganz schwierig war das Einsetzen der Ärmel. Nachdem ich so viel Höhe und Weite weggenommen habe, konnten die Passzeichen nicht mehr stimmen. Ich musste viel heften und anprobieren.

Das Futter habe ich jetzt in Gr. 44 (plus 1 cm zusätzliche Seitennahtzugabe) zugeschnitten. Das passt ganz gut. Insbesondere an der Höhe des Oberteils muss ich dann nichts ändern.
Allmählich wird auch deutlich, was ich an dem Schnitt ändern muss, falls ich ihn nochmals verwenden will:
  • Die Schulterlinie muss ich absenken, weil ich abfallende Schultern habe. (Diese Änderung gilt für jedes Modell, ich habe sie auch in früheren Jahren immer schon vorgenommen.)
  • Unten am Armausschnitt muss ich seitlich etwas wegnehmen und zur Taille hin auslaufen lassen. (Mein Rücken ist offenbar etwas schmaler als bei Gr. 44 vorgesehen.)
  • Der Halsausschnitt muss etwas vertieft werden.
Zum guten Schluss wünsche ich allen Damen vom WKSA 2014 einen schönen Adventssonntag und weiterhin gutes Gelingen.Und natürlich bin ich gespannt auf die Fortschritte.

Sonntag, 30. November 2014

WKSA 2014 In kleinen Schritten ...

... geht es voran

Zuerst  das Positive: bei der erstem Steckprobe habe ich erfreut festgestellt, dass der Brustpunkt da sitzt wo er hingehört. Dann war es mit der Freude aber auch schon vorbei. Der Rest passte nicht! Alles viel zu groß! Ich musste zunächst viel wegstecken und dann nach und nach wegschneiden. Und mit dem Wegschneiden bin ich noch längst nicht fertig.

Über Maßtabellen und Größen

Die Schnittvergrößerung, die ich vorgenommen habe, war ein echter Satz mit X. Ich habe die Teile vergrößert, also den Mehrgrößenschnitt gradiert, weil die Burda-Maßtabelle behauptet, dass ich Gr. 48 brauche (bei Kaufkleidung passe ich meist in 44). Nachdem ich von den Stoffteilen, die ich nach dem vergrößerten Schnitt zugeschnitten habe, viel Weite und noch mehr Höhe am Oberteil weggenommen habe, habe ich die Teile des Oberteile doch noch in Gr 44 kopiert und auf meine gesteckten und geheftete Stoffteile gelegt. Ergebnis: das Vergrößern hätte ich mir sparen können. Viel einfacher wäre es gewesen, in 44 mit großzügiger Nahtzugabe zuzuschneiden. Damit wäre ich schneller gewesen und hätte weniger am zugeschnittenen Stoff korrigieren müssen. So musste ich an den Seitennähten Stoff wegnehmen, die Taille nach oben verlegen, den Halsausschnitt vergrößern, die Schultern tiefer setzen.
Ein Herausforderung wird noch der Armausschnitt, bei dem ich auch noch viel werde wegschneiden müssen. Sicher ist dann auch noch der Ärmel wieder anzupassen.

Was ich bisher und weiterhin wegschnippele, kann ich auf dem Papierschnitt garnicht nachhalten. Ich mache es mir beim Futter einfach, ich schneide nach der kleineren Größe zu.

Zuschnitt

Ich hatte 1,6 m Wollstoff plus die zugeschnittenen Teile eines UFOs. Aus den UFO-Teilen konnte bzw. kann ich das Oberteil, die Ärmel und den Besatz zuschneiden. So reicht der Stoff für einen 4-Bahnen-Glockenrock.
Der Futterstoff, der sich noch in meinem Lager befand, wird gemäß Legeprobe ausreichen.
Kaufen musste ich nur einen farblich passenden RV.

Stand am 29.11.2014 abends

Ich habe keine Puppe, daher das Foto an mir. Ich musste den Blitz benutzen.

Die Abnäher sind genäht, ebenso die beiden vorderen Rockbahnen. Vorderes Oberteil und vorderes Rockteil sind verbunden, ebenso die Rückseite. Die Taille sitzt jetzt wo sie soll. RV und Seitennähte sind geheftet, die Schulternaht ist gesteckt.
Obwohl ich den Halsauschnitt schon mehrfach nachgeschnitten habe, muss ich noch weiter schnippeln, bis die Schulterhöhe und der Halsausschnitt passen. Das mache ich aber erst, wenn der RV und die Seitennähte genäht sind.

Was will ich heute schaffen?
RV einsetzen, hintere Mitte schließen, Seitennähte schließen.
Nachtrag vom 1.12.2014:  Ich habe alles geschafft, was ich mir für diesen Tag vorgenommen hatte.
Das Rockteil hat abweichend vom Original seitlich noch einen Hüftbogen bekommen.

In den folgenden Tagen wird dann wieder gebastelt: an Halsausschnitt und Schulternaht so lange stecken, heften und probieren, bis es passt. Den Besatz schneide ich erst dann nach dem angepassten Oberteil zu und nicht nach dem Schnittmuster.

Die größte Herausforderung werden Armausschnitt, Ärmel und das Einsetzen der Ärmel.
Weil das Oberteil viel zu groß und zu weit war, ist auch die Partie um Armausschnitt und Schulter viel zu breit. Das sieht man auch auf dem Foto.

Ob ich mit diesem Zwischenstand zufrieden bin? Teils, teils.
Ich seh's jetzt mal positiv: falls das Oberteil am Ende nicht gelingen sollte, der Rock ist auf jeden Fall verwendbar, notfalls separat.

Und nun wünsche ich allen gutes Gelingen bei WKSA 2014.

Zum guten Schluss gebe ich noch ein paar Statements ab:

Ich bin in Stimmung, erste Nähte sind gemacht! 
Ja, ich bin froh, regelmäßig an meiner Näharbeit dran zu sein. Motiviert bin ich im Sinne von konsequent - d. h. ich bleibe dran, auch wenn sich Aufwand ergibt, der so nicht vorgesehen war, z. B. die zugeschnittenen Teile immer wieder zu verkleinern, nachdem ich den Schnitt zunächst mühevoll vergrößert habe.
 
Endlich hab ich angefangen
Ja, immerhin habe ich mich bzgl. Stoff und Schnitt umentschieden
 
Probemodell sitzt, ich kann den richtigen Stoff zuschneiden
Nein, ich habe noch nie ein Probemodell genäht und würde das auch nur bei Modellen machen, die schnitttechnisch anspruchsvoll sind. Mein Schnitt besteht nur aus 4 Teilen, ist technisch also einfach.

Ich bin ein Streber und nähe jetzt mein zweites Weihnachtskleid
Nein, aber meinen Weihnachtsrock habe ich zuerst genäht. Der passt und sieht gut aus. Und wenn ich kein Kleid nähen würde, würde ich zum Rock auch noch ein hübsches Pulloverchen stricken. Beides zur gleichen Zeit schaffe ich nicht.
 
Plätzchenessen ist doch irgendwie auch Nähen, oder?
Auf keinen Fall! Schließlich will ich das Kleid fertigstellen und nicht im Entstehungsprozess noch ändern müssen. Aber ich bin dankbar, dass mein Mann bereits eine Runde Plätzchen gebacken hat.

Donnerstag, 27. November 2014

WKSA 2014 - Alles auf Anfang!

Fleissig, aber mit Zweifeln behaftet ...

war ich seit meinem letzten Post. Den hübschen Schnitt (Burda 6947) habe ich mittlerweile kopiert, ausgeschnitten und angehalten. Der Ausschnitt erschien mir zu groß für ein Winter-/Weihnachtskleid. Ebenso hatte ich Zweifel, ob ein langer Ärmel, den ich von einem anderen Burda-Schnitt kopiert habe, in das Armloch passen würde ...
Dann der Stoff ... Ich schrieb bereits, dass mir derzeit der Sinn nicht nach Brokat steht - und die Seidenstoffe musste ich ebenfalls verwerfen, weil Breite und Menge nicht zum Schnitt passten.

Offen gestanden steht mir der Sinn derzeit eher nach kuschligem Pulli und schönem Rock  ... 

Zweifel über Zweifel - und nun die Entscheidung:
es gibt kein Kleid nach diesem Schnitt und mit einem dieser Stoffe - jedenfalls nicht zu Weihnachten!















Mein neuer Ansatz

Ich habe also wieder meinen Stoffvorrat durchsucht und in Schnittmusterheften gestöbert.
Gefunden habe ich ein UFO - vor vielen Jahren in kleiner Größe zugeschnitten - und einen ansehnlichen Rest von ca. 1,6 m Wollstoff bei 140 cm Breite. Teile des Zuschnitts kann ich noch verwenden, z. B. für Ärmel, Besatz und evtl. für das Rückenteil.
In einer alten Burda (01/2001) habe ich einige hübsche Schnitte entdeckt, leider nur bis Gr. 44: Es ist schon komisch, laut Burda-Maßtabelle brauche ich 48 - weit entfernt von den Größen, die mir bei Kaufkleidung passen.
Gestern Abend habe ich den Schnitt kopiert und vergrößert und zwar nach diesem Tutorial "How to Grade a Pattern Up: The Easy Way". Mein erster Versuch im Vergrößern von Schnitten.

Dieses Kleid (Burda 01/2001 Nr 122) soll es nun werden aus diesem Wollstoff:




Hier die techn. Zeichnung des Modells 122, ein einfacher Grundschnitt.
Noch besser gefällt mir Modell 123, das einen Glockenrock hat. Dafür reicht mein Stoff aber nicht.
Trotzdem zeige ich die Abbildung:




Übrigens enthält dieses Heft auch einen Schnitt für ein schlichtes Shiftkleid, nach dem ich mir ein Spitzenkleid nähen könnte (aber nicht für Weihnachten).

Heute Abend geht's los, ich beginne mit dem Zuschnitt. Bin gespannt auf die Passform des vergrößerten Schnitts.

Und wenn das nichts werden sollte, dann folge ich meiner inneren Eingebung, die mir sagt:
Rock und kuschliger Pulli!


Dies ist ein Beitrag für WKSA 2014 - Teil 2!

Sonntag, 23. November 2014

Weihnachtskleid Sew Along 2014 - Teil 2

Mache ich Fortschritte? Teils, teils!

Zunächst eine sehr gute Nachricht: 

Der Weihnachtsrock 2014 ist  fertig!

Ich bin selbst überrascht, dass ich das Recycling dieses Rocks, den ich zuvor nie getragen habe, so schnell geschafft habe.
 

















Aus dem in Falten gelegten, 82  cm langen Rock in Gr. 38 aus den 80ern habe ich diesen 4-Bahnen Rock mit 70 cm Länge genäht. Von Aufhänger über Futter bis Zipper habe ich alles wiederverwendet.
Tragefotos gibt es zum Finale.

Vorbereitungen für das Kleid

Für das Kleid habe ich im Vorfeld schon einiges getan.
1. Ich habe mir neue Miederwaren zugelegt. Warum ich das erwähne? Neulich schrieb Frau Crafteln darüber, also über das Darunter. Nachdenklich machte mich ihr Hinweis, dass sich die Passform ihrer Kleider durch ihr neues Untendrunter verändert hat. Nun ich hoffe, wenn ich Kleid auf Untendrunter abstimme, dann keine bösen Passformüberraschungen zu erleben.

2. Die Stoffe, die für das Kleid in die engere Wahl kamen, habe ich vermessen. Aber ... böse Überraschung, einiges geht nicht so, wie ich es erhoffte - der Burda-Schnitt 6947 und meine Stoffauswahl wollen nicht so recht zusammen passen.


Die beiden Seidenstoffe sind nur 90 cm breit, da reicht die Länge nicht für den Schnitt. 
Den Spitzenstoff möchte ich nur für ein Rockteil mit geradem Saum verwenden, dafür ist der Schnitt ungeeignet. 
Bleibt nur der Brokat. Aber will ich an Weihnachten einen kratzenden Brokat tragen? Ich bin noch unschlüssig. (Ein Futter ist natürlich eingeplant und als nicht kratzenden Besatz werde ich wohl die Seide verwenden.)

3. Für mein Kleid wünsche ich mir einen einteiligen, langen Ärmel. Ich habe eifrig in Burda-Heften gesucht und werde heute Abend einen Ärmel kopieren. Dann habe ich auch schon nachgesehen, wie ich den Ärmel auf meine Oberarmweite anpassen muss. Mal sehen, was am Ende dabei herauskommt.

4. Weil ich ein Sparbrötchen bin, werde ich den Fertigschnitt nicht ausschneiden sondern kopieren, damit ich ihn ggf. wiederverwenden kann.

Suche nach einem Schnitt für ein Shiftkleid

 Für den Spitzenstoff  war ich auf der Suche nach einem Schnitt für ein einfaches Shiftkleid.
Im Kommentar wurde ich darauf hingewiesen, dass das Kleid so auf dem Bügel ziemlich formlos und sackig aussieht. Stimmt! Leider kann ich das Kleid an mir nicht zeigen, es passt einfach nicht mehr. Auch eine Puppe habe ich nicht. Meine Tochter hat sich aber bereit erklärt, es für ein Foto zu tragen. Ihr ist es allerdings zu groß, besonders der Ärmel wirken riesig. Getragen sieht es auf jeden Fall besser aus als auf dem Bügel.


 










 Mittlerweile habe ich eine liebe Mail bekommen mit Hinweisen auf einen geeigneten Schnitt. Vielen, vielen Dank dafür.



Welche Fortschritte andere Bloggerinnen machen ist hier bei MMM WKSA zu sehen.

 

Zum guten Schluss

Welches Tutorial oder welche Beschreibung könnt ihr mir empfehlen, damit ich einen Schnitt von Gr. 44 auf 48 vergrößern kann? Bei Burda finde ich nur die Beschreibung, wie ich um eine Größe vergrößern kann.



Den Zeitplan habe ich mir sicherheitshalber kopiert:

16.11.2014 WKSA Teil 1:
Ich bin 1a vorbereitet und habe schon alles zusammen gesucht / Weihnachten? Ist nicht noch Sommer? / Ich such nach Inspiration und guck mal, was die anderen machen / Schnitt da aber kein Stoff oder andersrum? / Kleine Rückblende: mein Weihnachtskleid 2013/2012/2011

22.11.2013 WKSA Teil 2:
Oh, so ein schönes Schnittmuster wird da genäht, ich entscheide mich schnell um / Ich habe mich für mein Traumkleid entschieden und bleibe dabei / Ich nähe mal lieber erst ein Probemodell / Schnitt kopieren, zuschneiden, wer sagt eigentlich, dass Nähen Spaß macht?

30.11.2014 WKSA Teil 3:
Ich bin in Stimmung, erste Nähte sind gemacht!  / Endlich hab ich angefangen / Probemodell sitzt, ich kann den richtigen Stoff zuschneiden / Ich bin ein Streber und nähe jetzt mein zweites Weihnachtskleid / Plätzchenessen ist doch irgendwie auch Nähen, oder?

7.12.2014 WKSA Teil 4:
Uah, es passt nicht, das muss ich ändern / Ich habe diese schwierige Stelle gemeistert und bin stolz wie Bolle! / Das sieht doch schon ganz gut aus, oder? / Ich hab ein Hängerchen und brauche Motivation!

14.12.2014 WKSA Teil 5:
Oah, jetzt aber schnell! / Nur noch der Saum! / Ich könnte hier nochmal nachbessern / Ich bin fertig, zeige aber noch nichts / Ich bin ein Streber und nähe jetzt noch ein Tüdeldü für meine drei Weihnachtskleider

21.12.2013 WKSA Finale
*****Es ist so schön geworden!*****

Sonntag, 16. November 2014

Weihnachtskleid Sew Along 2014 - Teil 1

Ich habe mir lange überlegt, ob ich an einem Sew Along teilnehmen möchte / kann, denn straffe Zeitvorgaben kann ich in meinem Alltag zumeist nicht unterbringen. Ich will es aber gern versuchen, wobei "suchen" ein wichtiges Stichwort ist, aber dazu später ...

Rückblick auf 2013


Am 2. Weihnachtsfeiertag trug ich seit langem erstmals wieder etwas Selbstgenähtes: ein Sternen-Tutu!

Heiligabend feierte ich in einem gekauften Kleid. Vielleicht wird es in diesem Jahr ein Selbstgenähtes?

Beim Schnitt bin ich noch auf der Suche.

Der Weihnachtsrock 2014 hat 1. Prioriät


Mit erster Priorität werde ich jedoch einen Weihnachtssrock in Glockenform nähen. Es wird ein Recycling-Projekt, denn ich möchte den Stoff dieses Rocks verwenden. Es ist ein Streifentaft in blau und schwarz mit Samtmotiven. Die Weite des Originalstoffs reicht für einen Glockenrock aus.




Mit dem Rock beginne ich zuerst und ich hoffe, dass auch noch Zeit für ein Weihnachtskleid bleibt.

Schnitte für das Weihnachtskleid

Diesen Schnitt (Burda 6947) habe ich mir im Frühjahr gekauft. Das Kleid gefällt mir. Den Shrug, dessen Schnitt dabei ist, mag ich nicht. Ich wünsche mir dazu lange Ärmel und werde schauen müssen, nach welchem anderen Schnitt ich lange, einteilige Ärmel dazu bastele. Meine Wunschlänge sind 70 cm Rocklänge, bodenlang muss es nicht sein.


Suche

Dann bin ich noch auf der Suche nach solch einem schlichten Schnitt für ein schlichtes, leicht ausgestelltes Shiftkleid




Ich habe es vor vielen Jahren selbst genäht und sehr gern getragen. Der Burda-Schnitt dazu ist aber leider verschollen.

Nun meine Bitte an euch: wenn eine der Nähbegeisterten solch einen Grundschnitt in Gr. 46 oder 48 (nach Burda Maßtabelle) hat, wäre es schön, wenn sie sich bei mir melden würde.

Und mit meinen besten Absichten werde ich mich nun bei den Damen vom MMM einreihen.

Ach so, fast hätte ich's vergessen - Stoff habe ich schon. Ich habe mir auferlegt, keinen Stoff mehr zu kaufen, sondern erst den über 20 Jahre aufgebauten und mittlerweile gut abgelagerten Stoff zu verwenden.
Von links nach rechts: 2 Seidenstoffe, ein Brokat mit Silberfäden, Spitze.
Den mittelblauen Spitzenstoff mit Bogenkante würde ich gern an einem schlichten Kleid mit geradem Saum sehen. 

Tja - und alle Stoffe in meinem Vorrat sind unelastische Webstoffe.

Samstag, 11. Oktober 2014

Plaudereien über die Sixties

Zwei Dinge haben mich zu meinen Plaudereien über die Sixties bewogen:
Kommen wir zunächst zu meinem déjà vu.

Was gut ist, kommt wieder - eine Hommage an YSL


Manchmal entdecke ich an unvermuteter Stelle Kleider aus aktuellen Kollektionen, die an berühmte, d. h. oft gezeigte und viel diskutierte Kleider einer bestimmten Epoche erinnern, Kleider, die dem Trend vergangener Jahrzehnte huldigen.
In meinem Beitrag Comeback der Kleider in Op-Art im März dieses Jahres schrieb ich über Op-Art-Kleider, die zu dieser Zeit bei verschiedenen Anbietern zu haben waren. Jetzt, in diesem Herbst, ist es die Pop-Art, die ich wiederentdeckt habe.

Was ist Original und was ist Fälschung?





Das Original oben stammt von Yves Saint Laurent aus dem Jahr 1966, das Kleid darunter stammt aus der Herbst-Kollektion 2014 von bonprix.
Überrascht? Immerhin gab es in der Herbst-/Winterkollektion 2013 bereits ein von YSL inspiriertes Strickkleid, dessen Vorlage den Bildern Piet Mondrians nachempfunden war.
Betrachten wir es als Hommage an YSL. Ob er geschmeichelt wäre oder eher verärgert?

Wenig schmeichelhaft finde ich jedenfalls das Styling, mit dem für das Kleid bei bonprix geworben wird:



High heels mit Wadenwärmern / Fußballerstutzen sind für mich, die die 60er live miterlebt und den Look tagtäglich getragen hat, einfach unmöööglich! (Neusprech: Das geht ja gaanich!)
Das Umhängetäschchen passt wiederum zum Look der Sixties.
Das Styling des Originals gefällt mir wesentlich besser. Ich bin da geprägt, vorbelastet, voreingenommen, vorurteilsbehaftet.

Werfen wir einen Blick auf die Mode der Sixties allgemein.

Die "typische" Mode der Sixties ist in der 2. Hälfte der 1960er angesiedelt. Wir verbinden mit diesem Begriff die typischen kurzen Kleider in A-Linie oder Shift-Form. Figurumspielend, einfach geschnitten und sehr bequem.  Die Figur wurde lediglich durch Brustabnäher und durch leicht konturnachzeichnenden Seitennahtverlauf modelliert. Längsnähte, die den Sitz der Taille andeuteten, gab es auf der Rückseite, dadurch wurde eine zeltförmige Seitenansicht vermieden.



Daneben gab es durchaus auch leicht figurbetonte Schnitte mit in der Taille angesetztem 4-Bahnen-Rock. Im Kontrast dazu standen Swingerkleider, die mit weit ausladenden Trompetenärmeln getragen wurden.

Nun stelle ich mich auch noch dazu, im Shiftkleid mit Kettengürtel und Slingpumps (ca. 1967). Ich erinnere mich noch gut an die Farbkombination: Pinseltupfer in rosa, pink, cyclam, hellgelb, orange. Die Schuhe waren orange mit beiger Schleife. Leuchtende Farben waren typisch für diese Zeit.
So etwas wie Neonfarben gab es übrigens auch schon, sie wurden damals "Schockfarben" genannt.


Was sich unterhalb des Rocksaums zeigte

Bahnbrechend am Look der Sixties war aber nicht nur die Rocklänge, sondern auch das Darunter.
Noch bis über die Mitte der 60er trug man "drunter" Strapse und Strümpfe. Erst kurz nach dem Siegeszug des Minirocks wurden Strumpfhosen zur allgemein verfügbaren und preisgünstigen Massenware.
Farbige Strumpfhosen wurden in den späten 60ern durchaus auch getragen, jedoch wurde dabei meist ein Farbton aus dem Kleid aufgegriffen. Oder man trug "Schockfarben". z.B. Rock in magenta, Pulli in Orange und Strümpfe in grün. Toll waren auch transparent hellgrundige Strumpfhosen mit großzügigen farbigen Drucken, z. B. mit großflächigen Blumenranken, "psychedelischen" Mustern oder Schottenkaro. Ganz typisch aber waren sehr helle, transparente oder halbtransparente Strumpfhosen, die neutral, also unabhängig von der Farbe des Kleids gewählt wurden. Typische Farben waren damals, "puder" (sehr heller Farbton), "wollweiß" oder weiß. Durch die Transparenz schimmerte immer die Hautfarbe durch, sodass kein "kalkiger" Eindruck entstand. Die Beine wirkten auch weiß bestrumpft immer zartfarben, nie "angestrichen" oder "orthopädisch gewickelt". Wenn blickdichtes Strumpfmaterial verwendet wurde, dann in Verbindung mit Lochmustern. Die Farbfotos oben sind beispielhaft für die Strumpf- und Schuhmode.

Die Schuhmode in der 2. Hälfte der 60er war revolutionär, wenn man bedenkt, dass Anfang der 60er noch schmal, spitz und mit "Pfennigabsätzen" angesagt war. Der typische Schuh der Minimode war farbenfroh und lag von der Form her zwischen Ballerina und Pumps, Absatzhöhe zwischen 2,5 und 4 cm, wobei der Absatz stets in der Farbe des Oberleders bezogen war. Die Spitze war gerundet oder carreeförmig. Er erinnerte an Kinderschuhe. Damals gab es Schuhe in den herrlichsten bunten Farben. Slingpumps waren ebenfalls weit verbreitet.
Daneben gab es auch extravagante Stiefel, Overknees in Lack z. B. oder die (meist weißen, gelegentlich auch schwarzen) mittelhohen Stiefelchen mit Ausschnitten im Schaft, manchmal auch an der Spitze oder an der Ferse, die von André Courrèges inspiriert waren.

Auf dem oberen Foto des Original-YSL-Kleids trägt das Model glitzernde Strümpfe/Strumpfhosen aus Lurexfäden.  Diese Strumpfhosen wurden goldfarben, kupfer- und silberfarben angeboten. Obwohl ich mir meine silberfarbenen Lurex-Strumpfhosen wirklich von Herzen gewünscht hatte, hatte ich beim Tragen dann doch keine große Freude damit. Es fühlte sich an, als ob man Topfkratzer an den Beinen hätte. Unkontrollierte nervöse Zuckungen der Beine waren unvermeidlich. Hätte ich Härchen an den Beinen gehabt, (ich hatte keine!) dann wären sie beim Tragen der Strümpfe sicher gründlich weggeschmirgelt worden.

Zu guter Letzt

Überzeugend gelebte Interpretationen des Sixties-Style findet man z. B. bei mad for mod
Frau madformod zeigt von Kopf bis Fuß das typische Styling der 60er, oft sogar Originale aus dieser Zeit wie z. B. Courrèges-Stiefelchen, und sie posiert oft wie in den 60ern. Toll! Sogar Op-Art-Kleider sind bei ihr zu entdecken - nochmal toll!
z. B. hier als Winterkleid - toll präsentiert oder hier als Frühjahrs-/Sommerkleid.

Empfehlungen für die Motto-Party

Wer sich mit heute verfügbaren Teilen für eine Sixties-Party stylen möchte, dem empfehle ich helle Strumpfhosen, falls möglich mit Wirkmuster, in den Farben weiß oder wollweiß. Bei Schuhen rate ich von High Heels ab, näher an der Vorlage sind farbige Ballerinas oder schlichte helle Pumps mit kleinem Blockabsatz. Auch Hochschaftstiefel sind ok, wenn sie nicht zu wuchtig wirken.


DIY: Helle Strumpfhosen für den Sixties-Look

Helle, transparente Strumpfhosen sind in den Läden oft nur mit Glück zu finden. Man kann sie aus normalen Strumpfhosen jedoch leicht selbst machen. Dazu nimmt man ein altes helles Baumwoll-T-Shirt oder ein ausgedientes Herrenunterhemd vom Typ Feinripp aus Baumwolle und verwendet dieses als Säckchen für die Strumpfhose. Sie muss vom Baumwollhemd unschlossen sein, Hemd also zubinden oder zuknoten. Dann wird dieses Säckchen mit der Kochwäsche mitgewaschen. Die ursprüngliche Strumpffarbe ist danach ausgewaschen. Damals habe ich es ausprobiert - es funktionierte! Die Strumpfhosen waren entfärbt.
In den Empfehlungen von damals hieß es dann noch, man solle nach dem Trocknen einen Tropfen Speiseöl in die Strumpfhose einkneten, damit die Elastizität erhalten bleibt. Das habe ich nicht gemacht, es funktionierte trotzdem.

Eine kleine Anekdote zum Schluss (und zum Schmunzeln)

Die Lockenfrisuren, die zu den Flower-Power-Kleidern getragen wurden (Fotos oben), haben mich seinerzeit begeistert. Mit dem in den Ferien verdienten Geld zog ich als 15-Jährige los, um mir beim Friseur diese Lockenpracht zaubern zu lassen. Die Friseurin meinte, dies ginge nur mit Dauerwelle. Ich willigte ein, unbedarft wie Jugend eben ist. Dann ging's los. In jede Haarsträhne meiner langen Haarpracht wurde mit dem Messer hinein gehackt, so entstand der Stufenschnitt. Dann kam die Dauerwelle dran, die Strähnchen wurden auf kleine Wickler gedreht, die wie Hühnerknöchelchen aussahen. Und dann kamen die Chemikalien auf die Wickler ...
Die Frisur sah danach einigermaßen aus, natürlich viel zu kurz, aber das war damals bei einem Friseurbesuch nicht anders zu erwarten, die Haare waren danach immer zu kurz.
Die Freude(?) über die Frisur hielt nur kurz an. Bei auch nur leicht erhöhter Luftfeuchtigkeit bekam ich die typische Krause alter Damen. Meine Frisur erinnerte eher an Marsha Hunt (Stichwort "Afro-Look") als an einen wuscheligen Lockenkopf.
Ich fand's entsetzlich. Etwa 6 Wochen später trug ich wieder einen größeren Geldbetrag zum Friseur und ließ die Haare glätten. Dauerwelle rückwärts, also wieder Chemikalien aufs Haar, diesmal ohne die Hühnerknöchelchen. Die schlimme Krause war danach weg, aber das Haar war auch vom Ansatz bis zu den Spitzen strukturgeschädigt, mein Naturblond war ausgebleicht und scheckig.
Es dauerte viele Monate, bis der Stufenschnitt so weit herausgewachsen war, dass ich mir eine Kurzhaarfrisur im Stil der 30er-Jahre machen konnte. Und es dauerte mindestens 2 Jahre, bis das strukturgeschädigte Haar komplett herausgewachsen war und ich eine annehmbare kinnlange Frisur hatte.
Außer Spesen nichts gewesen. Das war mein erster und einziger Versuch mit Dauerwellen.
Für so manche Lebenserfahrung braucht es nur einen Versuch.


Donnerstag, 20. Februar 2014

Warum Christine und ich keine Freunde sind





Kolumne


Warum Christine und ich keine Freunde sind


Um es gleich vorweg zu nehmen, es geht hier nicht um Zickenkrieg, sondern um eine ganz persönliche Abrechnung mit Frauenzeitschriften.
Da ich niemandem zu nahe treten möchte, der ein Fan bestimmter Frauenzeitschriften ist, nehme ich mir die Freiheit, die Zeitschrift, zu der ich ein „besonderes Verhältnis“ habe, als „Christine“ zu bezeichnen. (Der Name ist also von der Redaktion geändert.)

Von Stars und Sternchen zur Welt der Mode


Als ich Christine kennenlernte, war ich gerade dem Bravo-Alter entwachsen (selten gekauft, aber regelmäßig mitgelesen). Ich muss so etwa 14 gewesen sein.
Christine zeigte damals tolle Mode, fantastisch präsentiert und hinreißend gestylt.
Es war Mitte und zweite Hälfte der 60er Jahre. F. C. Gundlach fotografierte für Christine. Seine Modefotografie war bahnbrechend und fand später Eingang in Bildbände, Ausstellungen und Museen. Später frisierte die junge Marlies Möller für Christine, manchmal war es auch Udo Walz. Und Christine zeigte nicht nur Mode, Christine machte Mode – Christine war Mode!

Christine war Mode


Als Hot Pants aufkamen, war Christine die erste Zeitschrift, in der eine Strickanleitung für diese Shorts zu finden war. Schon zwei oder drei Wochen nach der Veröffentlichung erschien eine Klassenkameradin mit hinreißenden gestrickten Hot pants samt passendem Rollkragenpullover und Gürtel auf Hüfthöhe. Toll! Der modeinteressierte Teil unserer Klasse war neidisch – auch, weil besagte Mitschülerin eine Oma hatte, die ihr dieses Outfit in Perfektion erstellt hatte. Meine Sitznachbarin bekam in kürzester Zeit von Mutter und Tante nach Christines Strickmuster einen Glockenrock mit passendem Wickelpulli in der Farbe apricot gestrickt. Ebenfalls ein Outfit mit hohem Neidfaktor. (Wie ich später erfuhr, trug sie dieses Outfit im Wechsel mit ihrer Cousine;-))
Nach Christines Anleitung häkelte ich mir ein großes, schwarzes Dreiecktuch mit langen Fransen, das zu Midi- oder Maxirock in Tweed oder Fischgrätmuster sowie schwarzem Schlapphut getragen wurde. F. C. Gundlach hatte die Vorlage vor einer Wand aus Stangeneis abgelichtet. Auf dem Foto sah es aus, als befinde sich das Model im ewigen Eis.

Die Krönung der Hochphase der Strick- und Häkelwelle waren farbenprächtige ausgestellte Kleider, die aus bunt gemusterten kleinen Quadraten und Dreiecken zusammengesetzt waren. Meine beste Freundin hatte sich solch ein Kleid in wochenlanger Arbeit erstellt. Wie von der Christine-Redaktion berichtet wurde, gingen noch Jahre später Fotos von Frauen ein, die sich diesen Kleidertraum nach und nach erfüllt hatten.

Eine Zeitlang war jeder Christine-Ausgabe ein Schnittmusterbogen mit genau einem Modell beigefügt. Z. B. erschien das Schnittmuster für einem halbdiagonal zu verarbeitenden 4-Bahnen-Rock. Er saß fantastisch – ganz ohne Abnäher - und war die Basis für meine Kollektion an Midiröcken.
Einmal gab es einen Schnitt für ein kleines Kostümchen, einen Glockenrock zum Wickeloberteil mit Schößchen, wahlweise mit Langarm oder Puffärmel. Mehrere Mitschülerinnen trugen dieses Kostümchen zu den Abiturprüfungen. Ich hatte es mir in dunkelblau mit langem Arm genäht und in hellblau-weiß mit kurzem Arm. Man war darin perfekt angezogen und konnte sich bewundernder Blicke sicher sein.

Christine gibt Ratschläge


Neben dem umfangreichen Modeteil gab es in Christine natürlich auch noch Kosmetik, Psycho-Tests, Kochrezepte ... und Ratschläge.
Ratschläge – ja, Christine erklärte ihren Leserinnen, was ging und was nicht.
Eine kleine, stets hinter dem großen Modeteil erscheinende Rubrik hieß „Das waren doch nicht etwa Sie?!“
Klein, nur mit schwarz-weiß Fotos, aber stets mit erhobenem Zeigefinger, wurde Problembewusstsein geweckt.
Da zeigte ein Foto z. B. eine mit Hosen bekleidete Frau, bei der sich an der Kehrseite der Rand der Unterhose auf den Bäckchen deutlich abdrückte. Oder der BH kniff ein und zeichnete sich hinten unter Pulli oder Bluse ab oder ein viel zu kleiner BH zeigte vorn vier statt zwei Zapfstellen ...
Eine Haarfarbe, die heute als ombré bezeichnet wird, die war völlig indiskutabel! Eine ausgewachsene Blondierung im rückenlangem Haar konnte sich nur das Hippie-Mädchen Michelle Phillips von den Mamas and Papas erlauben.
Erschiene diese Rubrik heute noch, dann wahrscheinlich unter der Neusprech-Überschrift: „Das geht ja gaaanich!“.

Christine weckt Problembewusstsein


Ja, Christine war ganz groß darin, Probleme aufzuzeigen und Problembewusstsein zu wecken. Mischhaut oder gar fettiges Haar? - große Probleme, die es zu bekämpfen galt. Gelbstich in blondem Haar? Großes Problem! Weg damit – am besten bekämpfen mit Silberfestiger. Schlupflider? Riesenproblem ...

Der Verlust meiner Vollkommenheit


Bis ich anfing, regelmäßig Christine zu lesen, war ich ein vollkommenes Geschöpf. Gesund, alle Gliedmaßen vorhanden und gerade, Zähne lückenlos, volle Seh- und Hörfähigkeit, keine Akne, nur gelegentlich ein paar Pickelchen, glänzende blonde Haare, ein gescheites Köpfchen, mit 165 cm nicht zu klein und nicht zu groß, sondern genau richtig und mit einem Gewicht von ca. 60 kg schlank aber nicht mager. So sah ich mich, so sah mich meine Familie – aber Christine sah mich ganz anders ...

Apfelschnitze vom Baum der Erkenntnis


Christine verteilte Apfelschnitze vom Baum der Erkenntnis, regelmäßig, in jeder Ausgabe.
So lernte ich, dass ich mit meiner Größe viel zu klein wäre. Zu klein? Zumindest zu klein für den Beruf des Fotomodells. Ich selbst fühlte mich nie zu klein – und Fotomodell?, das war für mich kein Berufsziel.
Anders sah es mit meiner Mischhaut aus. Hier ließ ich mir tatsächlich ein Problem einreden und folgte den Empfehlungen des Kosmetikressorts, kaufte vom Taschengeld Gesichtswasser und mattierende Creme (und sonstige Unnützlichkeiten).
Dann meine Haare ... oh je, im Sommer bekamen sie doch tatsächlich (oder vermeintlich?) einen Gelbstich. Also musste Silberfestiger her, der die Haare scheckig und drahtig und klebrig (und schuppig?) machte. (Seit ich diese Phase der Versuche und vor allem Fehlversuche beendet habe, lasse ich keinen Festiger mehr an mein Haar, auch nicht beim Frisör.)

Dann mein Gewicht ... Der BMI war damals noch nicht bekannt. 
Es galt die Regel: 
Körpergröße in cm – 100 in kg = Normalgewicht; Normalgewicht – 15% = Idealgewicht.
Ich lag gerade mal um ca. 5% unter Normalgewicht. 15% weniger – da hätte ich 55 kg wiegen müssen!
Und dann hatte ich auch noch Schlupflider ...
So lernte ich allmählich, unzufrieden mit mir zu sein.

Nebenbei bemerkt: Schlupflider verloren ihren Status als „Problemlider“ erst, als Claudia Schiffer auf den Titelblättern erschien! War es übrigens nicht Christine, die sich rühmte, Claudia Schiffer entdeckt zu haben?

Christine hat die Lösung


Für viele (Pseudo-)Probleme hatte Christine eine Lösung parat. Die Dauerwelle z. B. war ein Mittel bei zweierlei Problemen: dünnes Haar wird aufgeplustert und gewinnt an Volumen und Standfestigkeit (!!!), fettiges Haar wird angeraut und dadurch saugfähiger (!!!). Ebenso „hilft“ Haarefärben bei fettigem Haar, weil es ebenfalls die Oberfläche anraut und saugfähiger macht.
Zu dick? Kein Problem! Man musste nur Christines Kochrezepte sammeln oder in Buchform kaufen und schon konnte man sein Gewicht selbst bestimmen. Regelmäßig machte eine Runde von rundlichen bis dicken Frauen mit Christine Diät und ließ sich „vorher“ und „nachher“ fotografieren. „Nachher“ steckten dann schon mal zwei Damen in einem Rock, der früher von nur einer Probandin ausgefüllt wurde. Natürlich versicherte jede Dame, dass es kein Problem sei, mit 1000 Kalorien monatelang über den Tag zu kommen. Schwieriger war es da schon, die winzigsten Mengen abzuwiegen, die in den Rezepten standen. Um 5 g Halbfettmargarine für ein Frühstücksknäckebrot abzuwiegen, schaffte ich mir extra eine Briefwaage an. Natürlich wurde das Knäckebrot dann noch ganz großzügig mit einer mittelgroßen Tomate belegt, und wer wollte, konnte noch ein Teelöffelchen Schnittlauch darüber streuen, das nicht einmal in die 1000 Kalorien-Bilanz eingerechnet wurde.
Christine brachte ihre Leserinnen auch immer auf den neuesten Stand der Forschung – zumindest ernährungswissenschaftlich. So wurde die frohe Kunde verbreitet, dass fünf kleine Mahlzeiten viel besser seien als 3 große, weil dadurch weniger Hunger aufkäme.
(Merkwürdig, ich glaube mich zu erinnern, dass diese Parole etwa um die gleiche Zeit aufkam in der auch Joghurt und Fruchtjoghurt die Regale der Läden eroberte. Zufall?
Jedenfalls packten danach die Sekretärinnen und Sachbearbeiterinnen in den Büros vormittags („morgens halb zehn in Deutschland“) ihren Joghurt aus und murmelten beim Löffeln die Beschwörungsformel „5 kleine Mahlzeiten sind besser als 3 große“.)
Wenn dann die Figur wieder rank und schlank war, konnte man sie mit Christines Hilfe ganz einfach erhalten, nämlich mit Christines Gymnastikprogramm. Dafür gab es in einem Heft eine Fotostrecke mit Übungen. Und wer das Gymnastikprogramm regelmäßig betreiben wollte, konnte sich das Leben vereinfachen und eine Langspielplatte kaufen. Unterlegt mit Musik des Orchesters Max Greger zählte eine Redakteurin vor: beu---gen, beu---gen, beu---gen, ...

Christine verliert ihre Magie


Irgendwann waren Fachzeitschriften mir wichtiger als Frauenzeitschriften. Nur noch gelegentlich kaufte ich mir welche, z. B. vor längeren Flügen, um sie dann nur mit wenig Interesse schnell durchzublättern. Was mir in den 80er Jahren allerdings bei Christine auffiel, die in der Heftesammlung doch noch dabei war, war, dass die Art der Fotostrecken sich deutlich verändert hatte. Während die Modefotos in meiner Anfangszeit noch die Qualität hatten, in Bildbänden verewigt zu werden, waren die Fotos jetzt von eher fragwürdiger Qualität. Oft kauerten die flippig gewandeten Models von schäbig fleckigen Wänden wie in Abbruchhäusern. Mein Gedanke dabei war dann „was soll das???“.

Das Ende kam abrupt


Mittlerweile gab es Christine auch für die erwachsene Frau. Das schaute ich mir an. Nun ja, Endvierzigerinnen, die den Rocker in sich entdeckten oder Mittfünfzigerinnen, die von Jeans mit schwarzem Pulli nun auf beige und Kurzhaarschnitt wechselten, Berichte darüber, dass Liebeskummer im fortgeschrittenen Alter mindestens so schmerzhaft sei wie in jungen Jahren und eine Kolumnistin, die sich darüber beklagte, dass sie der neuen Kommunikationstechnik kaum noch folgen könne. Wen interessierte das? Mich nicht!

Ich hatte wieder einmal einen sehr langen Arbeitstag hinter mir. Im Businesskostüm eilte ich durch den Bahnhof, kaufte am Kiosk noch schnell eine Christine und eilte weiter zum Bahnsteig. Ich stieg in den Zug und – ratsch – am neuen Kostüm war beim Einsteigen der Gehschlitz um etwa 3 cm aufgerissen. Das passierte mir immer. Ich hasste Kostüme mit Bleistiftröcken und ich weigerte mich, mir beim Einstieg in Bahn oder Bus den Rock bis zur Schenkelmitte hochzuziehen. Verärgert setzte ich mich und begann in Christine zu blättern. Eigentlich hätte sich jetzt ein Wunsch erfüllen und das Heft hätte einige elegante Alternativen zum verhassten Businesskostüm aufzeigen sollen. Stattdessen: bunter Gipsy-Look mit Netzstrümpfen und Klimperketten, das Model in der Hocke kauernd vor einer schäbigen Wand ... mir reichte es. Das hatte rein garnichts mit meiner Lebenssituation zu tun. Verärgert klappte ich das Heft zu und ließ es beim Aussteigen liegen.
Schluss, Ende – nie wieder Christine.

Einige Zeit später entdeckte ich für mich kragenlose, farbige Bouclé-Jacken mit schwarzem Bahnenrock und Seidenbluse – meine Alternative zum androgynen Businesskostüm.

Hier einige Teile, die ich mir nach Christine-Schnitten genäht hatte: